Gefährden Windräder die Lappwaldsee-Pläne?

Helmstedt.  Wie viel Windkraft verträgt der Landkreis Helmstedt – vom Landschaftsbild her?

So sieht der aktuelle Anblick der Windräder am Ufer des Lappwaldsees aus, aufgenommen vom Dach des Hochhauses am Görlitzer Platz in Helmstedt.

So sieht der aktuelle Anblick der Windräder am Ufer des Lappwaldsees aus, aufgenommen vom Dach des Hochhauses am Görlitzer Platz in Helmstedt.

Foto: Jürgen Paxmann

Die mit Spannung erwartete Abstimmung der Versammlung des Regionalverbands Großraum Braunschweig am 14. März zum Ausbau der Windkraft-Standorte in der Region rückt näher und Helmstedts Landrat Gerhard Radeck plädiert noch einmal öffentlich für eine Berücksichtigung der touristischen Pläne für den Lappwaldsee. „Das erweiterte Vorranggebiet für Windkraft am Lappwaldsee sehen wir sehr kritisch“, sagte Radeck bei einem Ortstermin mit unserer Zeitung am See. „Das wollen wir nicht.“

Der Landkreis befinde sich im Strukturwandel, der mit Fördermitteln aus Hannover und Berlin unterstützt werde. Zu diesem Prozess gehöre die touristische Entwicklung des Lappwaldsees, so Radeck. Windräder der neuen Generation mit einer Höhe von mehr als 200 Metern zuzulassen, würde die Tourismuspläne gefährden, da die Anlagen auf Besucher abschreckend wirken würden.

Der Lappwaldsee sei nicht rundherum touristisch ausbaubar. Campingplatz, Ferienhaussiedlung oder ein Badebereich kommen laut Radeck nur am Nordostufer in Betracht. Beim Lokaltermin war zu erkennen, dass Touristen von dort aus genau auf die Windräder am gegenüberliegenden Ufer schauen würden.

Die Begründung der Regionalverbandsverwaltung, der Bereich am Lappwaldsee sei bereits durch das Industriegebiet Buschhaus und die Stromtrassen im Erscheinungsbild vorbelastet, will Radeck nicht gelten lassen. „In 2025 wird das Kraftwerk Buschaus voraussichtlich zurückgebaut sein.“

Um einen letzten Versuch zu unternehmen, die 55 Abgeordneten der Verbandsversammlung mit der Tragweite ihrer Entscheidung vertraut zu machen, hat der Landkreis laut Pressesprecher Andreas Jünemann erwogen, die Verbands-Politiker kurzfristig noch zu einem Besichtigungstermin an den Lappwaldsee einzuladen. Da die Aussichten auf einen regen Zuspruch jedoch gering seien, werde man darauf verzichten. Das habe ein Telefonat zwischen Radeck und dem Vorsitzenden der Verbandsversammlung, Detlef Tanke (SPD) aus Gifhorn, ergeben.

Tanke bestätigte das Telefonat am Donnerstag auf Anfrage. „Die Entscheidung bezüglich einer Einladung an die Verbandsabgeordneten liegt selbstverständlich beim Landrat“, erklärte Tanke. „Ich habe lediglich darauf hingewiesen, dass es seit längerem eine Vereinbarung zwischen den Fraktionen der Verbandsversammlung gibt, wie in einem laufenden Verfahren mit Einladungen zu Gesprächen vor Ort umgegangen wird“, sagte Tanke weiter. Diese Vereinbarung sehe vor, die Teilnahme an solchen Gesprächen den Experten der Verbandsverwaltung zu überlassen, „weil sie alle Details kennen“.

Tanke fügte hinzu, dass diese Absprache jedoch nicht mit einem Zwang für die Abgeordneten verbunden sei. Letztlich könne jeder selbst entscheiden, woran er teilnehme.

Gisela Noske, Pressesprecherin des Regionalverbands, erläuterte auf Anfrage, dass das Windkraft-Vorranggebiet HE II am Lappwaldsee der Planungsvorlage zufolge im Nordwesten und Westen erweitert werde. Das bestehende Areal sei 207 Hektar groß, 102 Hektar kämen hinzu.

Höhenbegrenzungen für Windräder gebe der Verband nicht vor, so Noske weiter. Das passiere im Genehmigungsverfahren, für das der Landkreis zuständig sei. Der Verband lege nur die Flächen fest.

Sollte die Verbandsversammlung, in der mit Rolf-Dieter Backhauß und Gisela Dittmar (beide SPD) sowie Volker Meier (CDU) drei Abgeordnete aus dem Kreis Helmstedt sitzen, die Windkraft-Vorranggebiete wie von der Verwaltung vorgeschlagen beschließen, dann könnte der Landkreis dagegen nicht mit einer Klage vorgehen. Das erklärte Kreis-Sprecher Jünemann am Donnerstag. Den betroffenen Kommunen wie Helmstedt und Süpplingen stehe der Klageweg hingegen offen.

Für die Genehmigung zur Errichtung neuer oder zur Aufrüstung bestehender Windkraftanlagen sei der Landkreis als Baubehörde zuständig, bestätigte Jünemann den Hinweis von Gisela Noske. Dabei könnten unterschiedliche Auffassungen zum Tragen kommen, blickte Jünemann nach vorne. „Einen Mindestabstand der Windräder von 1000 Metern beispielsweise zu einigen Rot-Milan-Horsten oder zu den Klärteichen bei Süpplingenburg würde unsere Bauverwaltung als nicht ausreichend betrachten, sie geht von einem erforderlichen Mindestabstand von 1500 Metern aus“, erklärte Jünemann. Sollte ein Windkraft-Investor mit solch einer Vorgabe der Baugenehmigungsbehörde nicht einverstanden sein, müsste er den Klageweg gegen den Landkreis beschreiten.

Auch das veränderte Vorranggebiet bei Süpplingen sieht Landrat Radeck kritisch. Dies sei aber separat zu betrachten. Windräder würden dort nach Radecks Auffassung die Sichtachse in Richtung Elm und Königslutter massiv beeinträchtigen. Selbst nach den zuletzt von der Verbandsverwaltung vorgenommenen Änderungen am Vorranggebiet würden Windräder an dieser Stelle das Landschaftsbild zu sehr stören.

Das entsprechende Gutachten des Verbandes kommt allerdings zu einem anderen Ergebnis. Demnach wären Windkraftanlagen bei Süpplingen unproblematisch. „Dieses Gutachten würden wir anzweifeln“, sagte Radeck. Und Andreas Jünemann ergänzte: „Man darf nicht vergessen, dass das Gutachten aus 2011 stammt. Da gab es diese Monster von 200 Metern und mehr Höhe noch nicht. Die haben mit kleineren Anlagen geplant.“

Zurück zum vorgesehenen Vorranggebiet am Lappwaldsee. Der Regionalverband Großraum Braunschweig sei in die Pläne für das Erholungs- und Freizeitgebiet involviert, wolle dessen touristische Erschließung sogar unterstützen, machte Radeck einen mutmaßlichen Widerspruch aus. Die Politiker der Verbandsversammlung sollten nicht vergessen, so der Landrat, dass in Helmstedt ein einzigartiges Erholungsgebiet auch für die Oberzentren der Region entstehe.

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