Kita-Container in Velpke sollen Plätze schaffen

Velpke  Velpkes Samtgemeindebürgermeister Rüdiger Fricke stellt im Interview seine Pläne für 2019 vor. Unter anderem steht der Neubau der Kita Bahrdorf an.

Die neue Kita „Lummerland“ in Velpke ist mittlerweile eröffnet; hier zu sehen sind Herbert Groenke und Rüdiger Fricke während der Bauphase. Womöglich wird ein weiterer Neubau folgen.

Die neue Kita „Lummerland“ in Velpke ist mittlerweile eröffnet; hier zu sehen sind Herbert Groenke und Rüdiger Fricke während der Bauphase. Womöglich wird ein weiterer Neubau folgen.

Foto: Helge Landmann

. Neues Jahr, neue Projekte: In der Samtgemeinde Velpke stehen 2019 unter anderem der Neubau der Kita in Bahrdorf und der Erweiterungsbau der Schule in Danndorf an. Eva Hieber sprach mit Bürgermeister Rüdiger Fricke über die Zukunft der Samtgemeinde – auch mit Blick auf Tourismus, die Windkraft und eine mögliche Fusion mit der Stadt Wolfsburg.

Was sehen Sie als die größte Herausforderung der Zukunft für die Samtgemeinde an?

In jeder Hinsicht die Schaffung von Krippenplätzen. Was den Aufwand, die Bedeutung, die finanzielle und die personelle Belastung betrifft, ist das unsere größte Aufgabe. Im Nachhinein betrachtet hätten wir schon in Danndorf und Groß Twülpstedt neu bauen müssen und in der neuen Kita in Velpke fünf Gruppen einrichten können, aber vorher weiß man sowas ja nie genau und die Trägerschaft ist leider erst ab 1. Januar auf die Samtgemeinde übergegangen.

Die Geburtenzahlen waren noch höher als erwartet und vor allem die prozentuale Inanspruchnahme bei den Krippenplätzen konnte niemand vorhersehen. Wir sind mit mittlerweile bereits 75 Prozent bei den Ein- und Zweijährigen absolut führend im Landkreis Helmstedt, Tendenz steigend. Nun steht als nächstes der Neubau der Kita in Bahrdorf für geschätzt 3,8 Millionen Euro an. Die Fertigstellung ist zum Beginn des Kita-Jahres 2021/22 angestrebt.

Planen Sie weitere Kita-Neubau-Projekte in der Samtgemeinde?

Ich gehe davon aus, dass wir danach noch eine weitere Kita, voraussichtlich in Velpke, bauen müssen. Aber vorher brauchen wir eigentlich noch kurzfristige Lösungen. Da müssen wir auch den Landkreis und das Landesjugendamt mit ins Boot nehmen, bislang gibt es aber noch keine konkreten Ansätze, diese werden in den nächsten Wochen erarbeitet. Ich kann mir vorstellen, vielleicht ab August 2020 Container an zwei Standorten aufzustellen, je nachdem, wie hoch der Bedarf zu diesem Zeitpunkt sein wird.

Alle Kita-Plätze in der Samtgemeinde sind vergeben, die Anmeldelisten voll: Was können Eltern tun, die keinen Platz bekommen?

Wir haben einige Tagespflegepersonen im Gebiet der Samtgemeinde; aber auch die sind soweit ich weiß ausgebucht. Wir wären natürlich gerne bereit, weitere Tagespflegepersonen hier bei uns zu unterstützen.

Die Eltern müssen sich auf jeden Fall mit dem Landkreis Helmstedt, Geschäftsbereich Jugend, in Verbindung setzen. Der Landkreis ist als Träger der örtlichen Jugendhilfe für die Anspruchserfüllung zuständig.

Welche Projekte liegen Ihnen für dieses Jahr besonders am Herzen?

Da gibt es viele: Der Schulbau in Danndorf, der Bau des Feuerwehrgerätehauses in Wahrstedt, die Feuerwehr in Groß Twülpstedt. Auch der Verbrauchermarkt in Danndorf muss jetzt klappen, sonst werden wir irgendwann unglaubwürdig. Die Ausnahmegenehmigung des Regionalverbandes liegt aber nun vor. Ich bin doch zuversichtlich, dass es dieses Jahr klappen wird und die finanziellen Mittel der Gemeinde, was die verkehrliche Erschließung betrifft, gut angelegt sind.

Hausintern möchte ich gerne unsere Organisation in der Verwaltung untersuchen lassen. Wir sind in letzter Zeit sehr gewachsen, die Arbeit hat sich zum Beispiel durch die größere Anzahl an Kitas und Kita-Plätzen, die Einführung der Ganztagsschulen und die zahlreichen Baugebietserschließungen verdichtet. Da wollen wir schauen, ob wir die Zuordnung und Verteilung von Aufgaben in den Fachbereichen ökonomischer gestalten können.

Baugebiete gibt es weiterhin jede Menge in der Samtgemeinde. Haben Sie manchmal das Gefühl, dass sie zu schnell wächst?

Nein, insgesamt nicht. Danndorf ist in den letzten Jahren vielleicht etwas zu schnell gewachsen. Wir müssen natürlich schauen, dass wir mit dem Ausbau der Infrastruktur hinterherkommen, vor allem mit Blick auf die Geburtenzahlen und die Zuzüge. Mitte 2017 bis Mitte 2018 wurden 152 Kinder in der Samtgemeinde geboren, ein Höchststand. In der zweiten Hälfte des Jahres 2018 gab es 60 Geburten, im Jahresschnitt also etwas weniger.

Wir sollten neue Baugebiete weiterhin nur nach und nach an der Start bringen. Die gesamte Steuerung aller kommunaler Vorhaben erfolgt zwar über mich als Samtgemeindebürgermeister, aber für eine Gesamtentwicklung wäre eine Einheitsgemeinde natürlich besser als eine Samtgemeinde aufgestellt.

Haben Sie nicht Sorge, dass bei soviel Zuwachs von innen und von außen der dörfliche Charme der Orte verloren geht?

Der ursprüngliche dörfliche Charakter aus den 60er und 70er-Jahren ist schon lange verloren gegangen. In den letzten 20 Jahren hat sich in der Samtgemeinde viel verändert, das Vereinsleben ist in einigen Bereichen nicht mehr das, was es mal war.

Die ganz kleinen Orte haben sich vielleicht noch etwas des alten Charakters bewahrt, aber auch da ändert sich jetzt etwas, es gibt viel Fluktuation unter den Anwohnern. Es mag Menschen geben, die gerne möchten, das alles so bleibt, wie es war. Aber das geht nun mal nicht, die Gesellschaft verändert sich. Das muss man akzeptieren: Wandel gab es schon immer.

Sehen Sie in der Samtgemeinde Potenziale, die noch nicht ausgenutzt werden – etwa im Hinblick auf Tourismus oder Gewerbegebiete?

Ich glaube, wir haben weder bei Gewerbegebieten noch im Tourismus sehr gute Chancen. Das liegt an der Lage der Samtgemeinde. Wir haben keine bekannten touristischen Anziehungspunkte wie alte Burgen, Schlösser oder ähnliches. Die Landschaft immerhin ist für den Radtourismus interessant. Da wollen wir weiter investieren und tätig sein. Gewerbe auf der anderen Seite müssen immer auch in die Region passen. Wir sind sehr froh, dass der VW-Stammsitz noch immer nebenan in Wolfsburg ist. Dafür ist es wichtig, dass in der Umgebung genug Gewerbegebiete zur Verfügung stehen. Ich wäre durchaus interessiert an einem neuen Gewerbegebiet, aber wir werden kurzfristig selbst keines initiieren, wenn kein Investor von außen kommt. Womöglich ist dafür die Entfernung zu den Autobahnen zu groß, da böten sich eher Lehre, Königslutter oder Helmstedt / Barmke an.

Wolfsburgs Oberbürgermeister Klaus Mohrs bleibt für zwei weitere Jahre im Amt, um Fusionsgespräche mit den Nachbarn zu führen. Wie stehen Sie zu einem Zusammenschluss?

Wir sind in Sachen Fusion ja nicht die erste Kontaktanschrift, sondern der Landkreis Helmstedt. Für eine Fusion müsste erst ein neues verfassungsrechtliches Gebilde erstellt werden, da die Stadt Wolfsburg als kreisfreie Einheit mit einem Landkreis fusionieren würde. Wenn eine Regionsänderung im Raum stünde, würde der Weg der Samtgemeinde wohl sicher nach Wolfsburg führen. Konkret habe ich persönlich derzeit daran aber kein Interesse, denn für mich ist die kommunale Selbstverwaltung ein hohes Gut und wir würden alle Entscheidungs- und damit Gestaltungsmöglichkeiten für unseren Bereich aufgeben.

Bei uns ist nichts schlechter als in Wolfsburg. Eine gute Zusammenarbeit ist mir trotzdem wichtig – wir profitieren ja von unserer Lage in direkter Nachbarschaft zu Wolfsburg und z. B. dem dortigen sportlichen und kulturellen Angebot, und auch nach Braunschweig und Magdeburg sowie mit dem ICE nach Berlin ist die Entfernung überschaubar.

Wie geht es in der Samtgemeinde mit der Windkraft weiter?

Was beim Regionalverband in Bezug auf die Windkraft passiert, ist nur noch als Trauerspiel zu bezeichnen. Es kann ja nicht sein, dass sich der Ausbau der Windkraft zwischen Harz und Heide derart in die Länge zieht. Seit 2011 wird geplant, seitdem gab es drei Bürgerbeteiligungen, mittlerweile stocken die Pläne wieder. Ich habe die Pläne für die Samtgemeinde immer positiv gesehen, es wäre ja kein großer Ausbau gewesen. Ich glaube, dass wir in Zukunft die 100-Meter-Windräder nicht mehr werden halten können, wir werden um größere Anlagen nicht drum herum kommen.

Der Ausbau der Windkraft ist privilegiert: Das heißt, dass die Betreiber rechtlich einen hohen Anspruch haben. Trotzdem ist es grundsätzlich natürlich gut, dass es hier eine Regionalplanung gibt, denn ansonsten könnte man prinzipiell überall ein Windrad hinstellen, solange es nur weit genug von einer Siedlung weg ist. Die Bundesregierung hat die Energiewende beschlossen, das sollte nicht vergessen werden.

Wenn wir über Windkraft sprechen, liegt der Klimaschutz thematisch nicht fern. Gerade wurde die Stelle der Klimaschutzmanagerin neu besetzt. Welche Pläne haben Sie für die Samtgemeinde?

Energiemanagement haben wir vorher schon betrieben, aber nicht so konsequent wie seit der Schaffung des Postens der Klimaschutzmanagerin. In Sachen Photovoltaikausbau soll in Zukunft einiges passieren; es sollen Zellen auf den Dächern der beiden Kitas in Velpke, der Feuerwehr in Groß Twülpstedt, der Schule in Danndorf und des Gemeindezentrums in Grafhorst installiert werden.

Welche Erfolge und welche Rückschläge begleiten Sie aus dem vergangenen Jahr?

Ein Erfolg für mich ist das Vertrauen, das, so empfinde ich es zumindest, grundsätzlich in mich gesetzt wird. Darüber freue ich mich sehr. Damit ist natürlich auch eine ziemliche Erwartungshaltung verbunden. Eine gute Kommunikation mit der Politik und den Bürgern ist das wichtigste in meiner Position.

Als Rückschlag würde ich die Betreuungs-Situation in den Kitas bezeichnen. Da setzt man sich ein Ziel, und sobald man dort eingetroffen ist, wird man von der Realität wieder überholt! Und so sehr wir neue Kitas bauen wollen, so müssen wir dennoch die finanzielle Situation der Samtgemeinde im Blick halten. Irgendwann ist bei der Investivkredit-Verschuldung eine Grenze erreicht, die wir nicht überschreiten sollten.

Wenn unsere aktuellen Projekte fertiggestellt sind, wird sie bei um die 20 Millionen Euro liegen. Da haben wir auch eine Verantwortung, die Zahl auch für die künftige Generation noch im vertretbaren Rahmen zu halten. Allerdings haben wir derzeit eine doch ganz gute liquide finanzielle Situation.

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