Bürgerinitiative kämpft weiter: Keine Windräder am Nord-Elm

Süpplingen.  Mit der Verkleinerung auf 135 Hektar Windenergie-Vorrangfläche westlich von Süpplingen ist die Bürgerinitiative (BI) am Nord-Elm nicht zufrieden.

Die Aula der Grundschule Süpplingen war voll. Dieter Maschgan (am Mikrofon) vom BI-Vorstand führte durch den Abend.

Die Aula der Grundschule Süpplingen war voll. Dieter Maschgan (am Mikrofon) vom BI-Vorstand führte durch den Abend.

Foto: dirk fochler

Bei einer Info-Veranstaltung in der Grundschule wurde nochmals das Ziel formuliert: keine Windräder am Nord-Elm. „Wir stehen allerdings unter einem riesigen Zeitdruck, die Stellungnahmen mit unseren Gegenargumenten müssen bis 11. September beim Regionalverband eingegangen sein“, erklärte Dieter Maschgan, einer der BI-Sprecher.

Seit dem 22. August liegen die überarbeiteten Windenergie-Ausbaupläne des Regionalverbandes Großraum Braunschweig (RGB) offen. Es ist die inzwischen dritte Offenlegung der Windenergieausbaupläne. Beide vorherigen Versuche des RGB, neue Vorranggebiete auszuweisen, wurden wegen formaler Fehler und Rechtsunsicherheiten abgebrochen. Nun wurde das Verfahren neu aufgerollt. Klar wurde am Dienstag, dass die Menschen am Nord-Elm, sofern sie Gegner möglicher Windräder zwischen Süpplingen und Königslutter sind, mit der nun vom RGB vorgeschlagenen Verkleinerung des Windparks von einst 500 auf nun 135 Hektar nichts anfangen können.

Denn: „Im Grund wurden unsere Gegenargumente, die sich auf bestehende Regelungen und Gesetze stützen, nicht oder nur zu kleinen Teilen berücksichtigt“, so Maschgan. Auch Süpplingens Gemeindebürgermeister Harald Schulze zeigte sich enttäuscht vom RGB-Verfahren. „Ich als Bürgermeister durfte als einziger aus der Gemeinde an einem Erörterungstermin teilnehmen. Und dabei wurde mir deutlich gemacht, dass beispielsweise unser Ratsbeschluss gegen die Vorrangfläche westlich des Ortes eigentlich nichts Wert ist.“ Nun müssen sich die Windkraft-Gegner mit dem neuen Plan auseinandersetzen.

Mögliche Angriffspunkte, mit denen die Ausweisung von Windenergieflächen nahe Süpplingen gänzlich verhindert werden könnte, präsentierte Joachim Weimann, ein weiterer BI-Sprecher. Er erklärte, dass für das nun geplante, verkleinerte Gebiet in dem neuen Verfahren ein „Alternativvergleich“ fehle. Es gebe vergleichbare Flächen, die weniger belastet seien als das Areal westlich von Süpplingen. Doch diese Flächen seien nicht in den Abwägungsprozess einbezogen worden. „Solch ein Verfahren ist aber zwingend erforderlich.“ Auch seien die Argumente hinsichtlich des Artenschutzes und der Zerstörung des Landschaftsbildes sowie der in mehr als 800 Jahren gewachsenen Kulturlandschaft inklusive der massiven Beeinträchtigung der Sichtachse zum Lutteraner Kaiserdom bei weitem nicht ausreichend berücksichtigt wurden.

„Ein zu landschaftlichen Einschränkungen durch einen Windpark angeführtes Gutachten genügt keinesfalls wissenschaftlichen Ansprüchen. Ebenso fehlt ein Gutachten zu streng geschützten Fledermaus-Arten“, so Weimann. Auch den nun vom RGB gewählten Umgang mit dem Vorkommen des streng geschützten Rotmilans hält er für mehr als fragwürdig. „Da wurden wegen der Brutstätten auf nicht nachvollziehbare Weise Flächen herausgenommen. Doch solch ein Vogel kümmert sich doch nicht um eine auf dem Papier gezogene Grenze.“ Allein das nachgewiesene Rotmilan-Vorkommen sei ein Ausschlusskriterium für den Windpark.

Neben der Zerstörung des Landschaftsbildes durch die etwa 200 Meter hohen Windräder und dem möglichen Wertverlust von Immobilien könne es auch durch so genannten Infra-Schall gesundheitliche Probleme für Menschen, die in der Nähe lebten, geben. „Warum gibt es keine Aussage des RGB zu medizinischen Folgen?“, fragte abschließend eine Teilnehmerin.

Zur Abstimmung der Stellungnahmen an den RGB findet am Freitag, 7. September, ab 19 Uhr eine weitere BI-Veranstaltung in der Süpplinger Grundschule statt.

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