Laura Harms aus Meine hat Stammzellenspende gut überstanden

Meine.  Die Papenteicher hatten vor einem Jahr eine große Typisierungs- und Spendenaktion auf die Beine gestellt. Daran denkt die Familie mit Freude zurück.

Der zweijährigen Laura, hier im Kreis ihrer Familie mit Nina und Lucas Harms und Bruder Jakob, geht es ein Dreivierteljahr nach der Stammzellentransplantation sehr gut. 

Der zweijährigen Laura, hier im Kreis ihrer Familie mit Nina und Lucas Harms und Bruder Jakob, geht es ein Dreivierteljahr nach der Stammzellentransplantation sehr gut. 

Foto: Reiner Silberstein

Es ist fast genau ein Jahr her, dass knapp 300 Menschen in Meine Schlange standen, um sich als Stammzellenspender registrieren zu lassen – bei der Typisierungsaktion für die damals eineinhalbjährige Laura Harms, die unter einer seltenen Stoffwechselkrankheit leidet. Die gute Nachricht: Für sie wurde ein Spender gefunden, die Transplantation fand bereits statt.

Laura krabbelt quietschvergnügt durch das Wohnzimmer und scheint sich prächtig zu fühlen, die Strapazen der vergangenen Monate sind offenbar vergessen – bei ihr zumindest. „Sie macht tolle Fortschritte, fängt an zu reden“, freut sich ihre Mutter Nina Harms, als sie von ihrer Tochter ein Lächeln geschenkt bekommt. Aber der Weg bis dahin sei ein steiniger gewesen – mit vielen Glücksmomenten zwar, aber auch mit Rückschlägen.

Während der Reha kam die Nachricht, dass ein Spender gefunden ist

Kurz nach der Typisierungsaktion in Meine war die vierköpfige Familie, zu der neben Vater Lucas auch der vierjährige Jakob gehört, zu einer gemeinsamen Reha aufgebrochen – „zum Durchatmen“, wie die Mutter sagt. Dort erhielten die Eltern die Nachricht, dass ein Spender gefunden sei, die Transplantation in Hamburg schon bald beginnen könne.

Nach kurzer Krankheit von Laura ging es gleich nach Neujahr los: mit einer Woche Chemotherapie, die das Immunsystem der Jüngsten auf Null setzte. Schließlich sollten die Stammzellen nicht abgestoßen werden. „Die Chemo war ein ganz schöner Angriff auf Laura“, erinnert sich Nina Harms, „aber sie hat das gut weggesteckt.“ Dann folgte die Transplantation. „Das ist relativ unspektakulär“, sagt Vater Lucas, „wie eine Bluttransfusion.“ Die Stammzellen suchen sich selbst ihren neuen Platz im Knochenmark. Dennoch: Den Moment haben Harms wie einen zweiten Geburtstag in Erinnerung. Erst recht, als die Meldung kam, dass Lauras Körper wieder erste eigene Blutzellen produziert. „Das war ein großes Aufatmen bei allen“, so Nina Harms.

Im Wechsel fuhren die Eltern nach Hamburg, betreuten den Sohn, arbeiteten und zogen um

Doch für die Familie fing danach eine stark belastende Zeit an. Laura, die sich erst mal weiter auf der Quarantänestation der Klinik befand, brauchte regelmäßige Bluttransfusionen. Die Eltern wechselten sich wochenweise ab, nach Hamburg zu fahren und zu Hause den Sohn zu betreuen – und nebenbei zu arbeiten. „Gleichzeitig waren wir dabei, umzuziehen“, sagt der Vater.

Die mit der Corona-Pandemie einhergehenden Kontaktbeschränkungen waren Harms schon seit Januar gewohnt – die gelten auch für frisch Transplantierte. Manches wurde durch Corona sogar einfacher: „Über die Frage, ob wir statt im Büro lieber von zuhause arbeiten, gab es keine Diskussion mit dem Arbeitgeber. Plötzlich waren ja alle zu Hause“, sagt Lucas Harms.

Zwei Rückschläge warfen Laura erst einmal zurück

Aber nicht alles lief glatt. Die in den Stammzellen vom Spender verbliebenen Immunzellen erkannten Lauras Körper als Fremdkörper an, gingen in den Angriffsmodus. „Laura musste viel Cortison nehmen und nahm dadurch drei Kilo zu“, so die Mutter, „es war ein Teufelskreis. Sie war total schlecht drauf, hörte auf zu laufen.“ Das muss das Mädchen jetzt erst wieder mühsam lernen.

Der zweite Rückschlag kam im Juni: Fünf Wochen verbrachte Laura mit Fieber im Krankenhaus. „Damit hatte wir nicht gerechnet.“ Den Grund fanden die Ärzte nicht. „Sie hat bis heute eine erhöhte Betriebstemperatur“, so der Papa, „aber man merkt es ihr nicht an. Es scheint sich auszuschleichen.“

Die Zweijährige hat jetzt Aussicht auf ein normaleres Leben

Die Zweijährige muss immer noch alle vier Wochen zum Blutcheck nach Hamburg und wird monatelang Medikamente nehmen müssen, bis das Immunsystem wieder voll aktiv ist. Die neuen Stammzellen produzieren Blutzellen aus denen das lebensnotwendige Enzym Alpha-L-Iduronidase hervorgeht – das konnte Lauras Körper vorher nicht selbst herstellen. „Ohne das Enzym wäre ihre Lebenserwartung fünf bis 15 Jahre gewesen“, sagt Lucas Harms. Jetzt habe die Tochter Aussichten auf ein normaleres, selbstständigeres Leben. „Nächsten Montag geht es das erste Mal wieder in die Krippe“, freut sich die Mama. Es ist wie ein neuer Lebensabschnitt. Und ein erster Schritt zurück in die Normalität.

Das und der Jahrestag der Typisierungsaktion am kommenden Dienstag waren der Grund für die Familie, sich mit diesem Artikel an die vielen Helfer und Spender von damals zu wenden und danke zu sagen: „Wir waren ziemlich überwältigt von der Hilfe“, sagt Lucas Harms. Insgesamt seien Tausende Leute aktiv gewesen, habe der Bäcker Spendenbrot gebacken, hätten das Philipp Melanchthon Gymnasium, die Lions, Feuerwehr, Kita-Elternschaft, Vereine und Firmen Geld für die DKMS (ehemals Deutsche Knochenmarkspenderdatei) gesammelt. „Wir waren total baff, dass so viele Menschen Anteil nahmen.“ Nina Harms: „Diese Menge an Rückhalt! Das tat sehr gut!“

Die Familie weiß nicht, woher der Stammzellenspender kommt

Ob Lauras Stammzellenspender tatsächlich in Meine gefunden wurde, weiß die Familie nicht. „Da gilt für zwei Jahre eine Datenschutzsperre“, weiß Vater Lucas. Bekannt sei nur, dass die Person Briefe auf Deutsch lesen kann.

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