Gaspreisdeckel gefordert

Gifhorner Genossenschaft erhöht Heizkostenabschlag um 310 Prozent

| Lesedauer: 4 Minuten
Die Gifhorner Wohnungsbau-Genossenschaft hat unter anderem Wohnungen im Alten Postweg, Gifhorn. Dort ist auch die Verwaltung der GWG.

Die Gifhorner Wohnungsbau-Genossenschaft hat unter anderem Wohnungen im Alten Postweg, Gifhorn. Dort ist auch die Verwaltung der GWG.

Foto: Michael Uhmeyer / regios24

Gifhorn.  Gifhorner Wohnungsbau-Genossenschaft zahlt für Gas statt bisher 700.000 Euro künftig 2,1 Millionen Euro – und reicht Preiserhöhung an Mieter weiter.

Hiobsbotschaft für die rund 1850 Mieterinnen und Mieter der Gifhorner Wohnungsbau-Genossenschaft (GWG): Sie müssen vom 1. Januar an mehr als das Dreifache ihres bisherigen Abschlags für die Wärmeversorgung zahlen. Das gab GWG-Geschäftsführer Andreas Otto am Donnerstag bekannt. In der nächsten Woche werden die Mieter schriftlich informiert. Die GWG stellt sich auf einen Ansturm von Anrufen ein. Zusätzliche Mitarbeiter für die Beratung stehen bereit.

Gifhorner Mieter zahlen statt 50 künftig 200 Euro Abschlag

Um 310 Prozent erhöht die GWG den Abschlag für Gas. Für eine durchschnittliche Wohnung von etwa 60 Quadratmetern heißt das: Statt bisher 50 Euro müssen ab Januar monatlich 200 Euro Abschlag bezahlt werden – 150 mehr als in diesem Jahr. Für kleine Wohnungen von 20 bis 40 Quadratmetern, die bisher monatlich mit 18 Euro für die Wärmeversorgung wegkamen, werden es ab Januar 80 Euro, für Mieter großer Wohnungen (80 Quadratmeter), die bisher 90 Euro monatlich für Wärme gezahlt haben, sind es künftig 370 Euro.

Jährlich benötigt die GWG Ottos Angaben zufolge Gas in einer Menge von 15 Gigawatt. Geliefert haben es bisher die Stadtwerke Gifhorn zu einem Preis von 4,53 Cent je Kilowattstunde. In der Summe zahlte die GWG dafür rund 700.000 Euro jährlich. Ab 1. Januar kostet die Kilowattstunde dann 13,88 Cent, insgesamt kalkuliert das Wohnungsbauunternehmen mit 2,1 Millionen Euro. Die GWG zahlt das Gas quasi direkt an das Energieunternehmen, bekommt dafür von den Mietern die Heizkostenvorauszahlung und am Jahresende wird dann verbrauchsgenau abgerechnet.

Der Vertrag mit den Stadtwerken Gifhorn ist bereits gekündigt. Der Gifhorner Energieversorger verliert mit der GWG seinen größten Kunden. Wie Otto erläuterte, laufe es darauf hinaus, dass künftig der Grundversorger, also die LSW, das Gas liefert. Dabei ist es keineswegs so, dass von einer Preisstabilität für das komplette Jahr 2023 ausgegangen werden kann. Wie der Geschäftsführer erklärte, hätte der Preis für einen Jahresvertrag zum jetzigen Zeitpunkt bei 35 Cent je Kilowattstunde gelegen, also noch einmal ein Aufschlag von 250 Prozent.

„Es ist ein Vabanque-Spiel“, sagte Otto sichtlich betroffen. Üblicherweise werden in der Wohnungsbau-Branche Drei-Jahres-Verträge abgeschlossen. Das ist angesichts des aktuellen Markts undenkbar. Der GWG-Geschäftsführer stellte auch klar: Eine Temperaturbegrenzung werde es nicht geben, das sei technisch nicht möglich. Gesetzliche Pflicht sei in Wohnräumen eine Temperatur von 20 Grad, im Bad 21 Grad und nachts 18 Grad. Daran halte sich die GWG.

„Wir sind verpflichtet, die Preissteigerung von 310 Prozent an die Mieter weiterzugeben“, so Otto. Dass ein Teil der Mieter nicht in der Lage ist, die höheren Abschläge zu zahlen, davon geht die Wohnungsbaugenossenschaft aus. Etwa ein Drittel, also rund 600 Betroffene, beziehen Wohngeld oder bekommen vom Landkreis die Kosten für die Unterkunft. Eine Prognose, wie viele Mieter ab Januar staatliche Unterstützung benötigen, will Otto nicht abgeben. Aber es sei klar, dass es für einen Teil schwierig werde, die zusätzlichen Heizkosten zu zahlen, für einen anderen schlicht nicht möglich. Er rät allen Betroffenen, einen Antrag auf Wohngeld zu stellen. Die GWG helfe bei der Antragstellung, beim Ausfüllen der Formulare und beim Erbringen der erforderlichen Unterlagen. Otto: „Keiner sollte sich in dieser Situation zu schade sein.“

GWG-Geschäftsführer fordert vehement Gaspreisdeckel

Mit weiteren Belastungen muss auch die GWG rechnen. Zusätzliche Vorgaben wie ein hydraulischer Ausgleich der Heizungsanlagen, für den die GWG allein 1,7 Millionen Euro zahlen müsse, oder monatliche Verbrauchsmitteilungen an die Mieter nannte Otto als Beispiele.

Für den Geschäftsführer gibt es keinen Zweifel: „Die Energiekrise hat die Qualität, die Wirtschaft komplett an die Wand zu fahren.“ Für ihn ist klar: Der Erdgas-Preis muss gedeckelt werden. Alles andere mache keinen Sinn.

Fragen zum Artikel? Mailen Sie uns: redaktion.online-bzv@funkemedien.de