7-Tage-Inzidenz im Kreis Gifhorn springt von 30,6 auf 55

Gifhorn.  Die Zahl der positiv auf Corona getesteten Menschen steigt im Kreis Gifhorn um weitere 15 auf 134 Infizierte. Die Zahl der Toten steigt auf 7.

Die 7-Tage-Inzidenz hat am Donnerstag, 29. Oktober, die kritische Marke von 35 liegengelassen und gleich die kritische Marke von 50 geknackt: Nasch Angaben des Landesgesundheitsamtes steigt sie von 30,6 auf 55. 

Die 7-Tage-Inzidenz hat am Donnerstag, 29. Oktober, die kritische Marke von 35 liegengelassen und gleich die kritische Marke von 50 geknackt: Nasch Angaben des Landesgesundheitsamtes steigt sie von 30,6 auf 55. 

Foto: Dirk Kühn / Screenshot

Ab sofort gehört der Landkreis Gifhorn zu den roten Bereichen auf der Corona-Übersichtskarte des Landes Niedersachsen. Die maßgebliche 7-Tage-Inzidenz stieg von 30,6 am Mittwoch auf 55 am Donnerstag. Das geht aus einer Mitteilung des Landkreises Gifhorn, der daraufhin eine neue Allgemeinverfügung erlassen hat, auf dem Internetportal www.gifhorn.de hervor.

Die Zahl der an Corona gestorbenen Menschen steigt auf 7

Die Zahl der positiv auf das Coronavirus getesteten Menschen stieg Mittwoch um 24 Betroffene, bis Donnerstagabend kamen weitere 15 dazu. Aktuell sind 134 Menschen mit Covid 19 infiziert. Wie der Landkreis am Abend mitteilte, gebe es ein weiteres Todesopfer. Eine ältere Frau aus dem Südkreis starb an Corona.

Ab sofort gilt eine Maskenpflicht in der Gifhorner Fußgängerzone (vom Marktplatz bis zum Schillerplatz), auf den Parkplätzen des Einzelhandels sowie auf Messen, Kongressen,gewerblichen Ausstellungen, Spezialmärkten, Jahrmärkten, Wochenmärkten und Co.

Von Montag an gelten auch in Gifhorn die von der Bundesregierung und den Ministerpräsidenten beschlossenen verschärften Regeln. Die Reaktionen der Gifhorner darauf sind gemischt bis verärgert.

Marie und Dieter Kühne schlendern mit bunten Gesichtsmasken durch die spärlich frequentierte Gifhorner Fußgängerzone. Die Isenbütteler sind überzeugt: „Die neuen Regeln sind gut. Wir müssen uns überlegen, was wir wollen – Gesundheit oder Wirtschaft.“

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Nebenan tun Carsten Elbe und René Jünemann im Auftrag der Stadtwerke etwas für die Wirtschaft. Sie montieren die Weihnachtsbeleuchtung für die Innenstadt. „Bei uns geht es ohne Maske. Wir sind weit genug oben“, sagt Carsten Elbe im Hubsteiger. Laut Martin Ohlendorf von der Wirtschaftsförderung soll ungeachtet aller Sorgen die Atmosphäre in der Innenstadt passen.

Am Marktplatz bedient Cappu-Wirt Fatih Kilic seine Frühstücksgäste im gut besuchten Café. Von Montag an wird er schließen müssen. „Bisher war es ein Spaziergang, jetzt wird es ein Kraftakt für alle“, lautet seine Prognose. Wie es vom 2. November an weitergehe, daran arbeite er gerade. Den von der Bundesregierung zugesagten Ausgleich des Umsatzausfalls beantragen? Wie im Frühjahr einen Lieferservice organisieren? „Ich muss auch eine faire Lösung für meine Mitarbeiter finden“, ist Kilic wichtig.

Verständnis ringt sich auch Allerwelle-Geschäftsführer Walter Lippe ab, der das Schwimmbad gemäß Anordnung von Montag früh an geschlossen halten wird. „Das ist absolut bedauerlich nach fünf Monaten störungsfreiem und erfolgreichem Betrieb mit Hygienekonzept und sehr schade für unsere aktuell 400 Badegäste pro Tag“, sagt Lippe. Das Schwimmmeister-Team werde wohl in Kurzarbeit gehen müssen. Lippe richtet sich zudem darauf ein, den Wohnmobilplatz räumen zu müssen.

Das Schwimmbad zu schließen, sei „absolut nachvollziehbar, wenn man die Kontaktbeschränkungen rigoros durchführen will – es muss halt sein“. Lippes Hoffnung ist jetzt, „dass es nicht wieder zehn Wochen wie im Frühjahr werden“.

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Toni Forderung, Geschäftsführer des Gifhorner Fitnessstudios Injoy, wird den Lockdown von Montag an ebenso befolgen. Er kündigt allerdings an, dass der Justiziar der Gruppe den Rechtsweg prüft. „Vielleicht können wir früher wieder öffnen als gedacht“, hofft er. Die Entscheidung der Ministerpräsidentenkonferenz habe ihn „schockiert und entsetzt“. Das Studio habe alle Hygiene- und Schutzmaßnahmen „eins zu eins umgesetzt“. Maskenpflicht, Desinfektion, Dokumentation aller Besucher gleich beim Check-in, Abstandsregeln. Die Corona-Bilanz seit Mai: Null Fälle.

Bewegung sei zudem enorm wichtig, um das Immunsystem zu stärken, betont Forderung. Wer am Donnerstagvormittag ins Injoy kommt, findet ein belebtes Studio mit überwiegend älterem Publikum. Ja sagt der Sportfachmann: „Gerade die Rentner und Mitglieder aus den Risikogruppen haben das Training sofort wieder aufgenommen, weil sie gemerkt haben, was ihnen fehlt. Sie waren richtig dankbar, als wieder geöffnet war.“ Alle hätten sich diszipliniert verhalten und die vorgegebenen Maßnahmen verständnisvoll umgesetzt, lobt Forderung.

Mitglied Günter Ruhe aus Gifhorn tritt in die Pedale eines Ergometers. Auch er war eine Woche nach Öffnung des Studios wieder im Training. Er fühlt sich sicher im Studio, nutzt sogar die Sauna. „Alle achten hier auf Abstand“, betont der 69-Jährige, der selbst zur Risikogruppe zählt. Er bedauert die Schließung: „Es hätte nicht sein müssen, wenn sich die Bürger überall an die Regeln gehalten hätten.“

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Armin Schega-Emmerich, Vorsitzender des Dehoga-Kreisverbandes Gifhorn, hält den Entschluss für einen Lockdown Light im Grundsatz „für nicht richtig.“ Zahlreiche Betriebe arbeiteten schon lange unter strengen Auflagen, die über das vorgeschriebene Maß hinausgingen, hätten zudem viel Geld in verschiedene Hygiene- und Schutzmaßnahmen gesteckt wie Plexiglasscheiben, Hygienespender & Co. „Das ist in unserer Branche gut eingehalten worden.“ Es sei unverständlich, warum es gerade die Gastronomie so massiv treffe und man dort – anders als andere Branchen – konsequent schließen müsse. „Zumal Virologen bestätigt haben, dass es eben nicht die Gaststätten sind, die die Infektionszahlen nach oben treiben!“

Es sei schwierig, bei den vielen Vorgaben, die sich ständig veränderten, überhaupt noch zu planen. „Die Lage vor Ort wird schlimmer werden. Wir müssen jetzt abwarten, ob diese Vorkehrungen so entscheidende Auswirkungen haben wie erhofft.“

Die City-Gemeinschaft (CGG) steht zu 100 Prozent hinter der Entscheidung, damit das Gesundheitssystem nicht überlaste. „In der Gastronomie sind nun mal die meisten Gäste“, sagt Sprecher Udo von Ey. Die Befürchtung und Kritik vieler Internetnutzer, dass die Maskenpflicht in der Fußgängerzone Kunden erst recht fern hält, teilt von Ey überhaupt nicht. „Ja, eine Maske ist ein Hindernis, aber man hat sich in all der Zeit daran gewöhnt. Auf dem Wochenmarkt sieht man ja auch, dass es klappt.“ Es sei zu beobachten, dass Kunden gezielt einkaufen – und dann auch mehr Geld ausgeben. Jetzt, wo der Kaffee oder das Eis zwischendurch und das stärkende Abend- oder Mittagessen wegfallen, werde sich der Trend des gezielten Einkaufens verstärken.

Weil niemand vorhersehen kann, wie sich die Pandemie entwickelt, appelliert von Ey an alle, Weihnachtsgeschenke schon jetzt zu besorgen und nicht auf den letzten Drücker zu verschieben. Dürfen die Läden bis dahin geöffnet bleiben, können geballte Kundenströme kurz vor Weihnachten nicht gehändelt werden. „Das wird es nicht geben. Wir müssen sie jetzt schon entzerren.“ Apropos Kundenströme entzerren: das sollte eigentlich der geplante verkaufsoffene Sonntag am 8. November erreichen. Doch die CGG sagt den Termin nun ab. „Es ist nun mal eine Veranstaltung – und die sind im Moment nicht erlaubt. Daran müssen wir uns halten.“

Polizei und Gewerbeaufsicht kündigen weitere Kontrollen in Gifhorn an

„Ich hatte gehofft, dass es nicht soweit kommen würde. Aber das Infektionsgeschehen lässt keine andere Wahl“, sagt Gifhorns Erste Stadträtin Kerstin Meyer. „Freiwilligkeit, der Ruf nach Disziplin und Solidarität waren nicht wirksam genug, um den deutlichen Anstieg der Fallzahlen - auch bei uns - zu stoppen. Deshalb stehe ich dazu. Trotzdem lässt mich die Entscheidung für den Lockdown natürlich nicht kalt. Ich bin erleichtert, dass Schulen und Kindergärten offen bleiben sollen, aber ich denke auch mit großer Sorge an all die, die von den Einschränkungen menschlich und wirtschaftlich gesehen wieder besonders hart getroffen sind.“

Polizei, Gesundheits- und Gewerbeaufsichtsamt haben der Kreisverwaltung zufolge in den zurück liegendenden Wochen verstärkt Bars und Gaststätten im Kreis kontrolliert. Am vergangenen Wochenende mussten zwei Bars im Gifhorner Stadtgebiet wegen mehrerer Verstöße gegen die aktuellen Corona-Regeln einige Tage geschlossen werden. Am am bevorstehenden Wochenende soll in Bars kontrolliert werden.

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