Der Prozess um Hauseinbrüche im April in Gifhorn beginnt

Gifhorn.  Ein 37-Jähriger muss sich seit Donnerstag vor dem Landgericht Hildesheim verantworten. Er soll in zwei Häuser in Gifhorn eingebrochen sein.

Landgericht Hildesheim, Aufnahme des Wappens des Landes Niedersachsen im Gerichtssaal

Landgericht Hildesheim, Aufnahme des Wappens des Landes Niedersachsen im Gerichtssaal

Foto: Daniela König

Am Landgericht hat der Prozess um zwei Hauseinbrüche Ende April in der Gifhorner Südstadt begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 37-Jährigen vor, in der Nacht vom 25. auf den 26. April kurz nach Mitternacht ein Fenster des Wintergartens an einem Haus in der Julius-Leber-Straße mit einem Stein zerstört zu haben. Als die Alarmanlage ansprang, habe er das Grundstück durch die Garage verlassen, dabei ein Fahrrad mitgenommen und sich mit diesem zu einem nur wenige Meter entfernten Haus im Carl-Goerdeler-Ring begeben.

Dort habe er eine Terrassentür aufgehebelt, das Wohnzimmer durchsucht und ein Samsung-Smartphone, den Schlüssel eines VW Tiguan, eine Flasche Wein und eine Flasche Sekt entwendet. Dann sei er von dem Hausbewohner überrascht worden und habe diesen mit einem Schraubendreher bedroht, um schnell entkommen zu können. Wenig später habe die Polizei ihn festgenommen.

Hausbewohner: Er ist mit einem erhobenen Schraubendreher auf mich zugegangen

„Ich habe einen lauten Knall gehört, bin die Treppe nach unten gegangen und habe gesehen, dass ein Stein durch eine Scheibe unseres Wintergartens geworfen wurde“, berichtet der Bewohner des ersten Hauses. „Meine Frau hat die Alarmanlage betätigt. Das war schon der dritte Einbruch in unser Haus.“ Über die Alarmanlage wurde der Wachschutz in Braunschweig informiert, dieser alarmierte dann die Polizei.

Der Bewohner des zweiten Hauses erinnerte sich, dass seine Frau in der fraglichen Nacht wach wurde und ihn fragte, ob er im Wohnzimmer das Licht angelassen habe. „Ich bin aufgestanden und habe nachgesehen. Dann stand dieser Mann vor mir. Mit Sweatshirt, Atemmaske und Arbeitshandschuhen. Er ist mit einem erhobenen Schraubendreher auf mich zugegangen. Er war sehr ruhig und hat keinen Ton gesagt. Ich hatte nicht den Eindruck, dass er mich mit dem Schraubendreher angreifen wollte, sondern dass er nur schnellstens weg wollte.“ Er habe seiner Frau noch zurufen können, dass sie die Polizei anrufen soll. Dann habe er sich im Schlafzimmer versteckt und die Türklinke blockiert.

Angeklagter: Ich kann mich an nichts erinnern, ich bin selber schockiert

Der Angeklagte gab an, keinerlei Erinnerungen an diese Nacht zu haben. „Ich habe keine Ahnung, was in meinem Kopf vorgegangen ist“, teilte er mit. „Ich habe erst aus den Akten gelesen, was ich getan haben soll. Dafür entschuldige ich mich. Ich bin erst aufgewacht, als ich bei der Polizei von einem Arzt untersucht wurde.“

Auch die Häuser auf den Tatort-Fotos, die Richterin Karin Brönstrup ihm zeigte, kämen ihm nicht bekannt vor. Er habe am Tag vor der Tatnacht nach einem Streit mit seiner Freundin viel Bier und Weinbrand getrunken. Bei der Untersuchung nach seiner Festnahme hatte er gut 1,8 Promille Alkohol im Blut. „Normalerweise trinke ich nur wenig Alkohol. Ich bin selbst schockiert über das Geschehen.“

Einen räuberischen Diebstahl begeht, wer bei einem Diebstahl erwischt wird und dann Gewalt oder Drohungen gegen eine Person anwendet, um das Diebesgut behalten zu können. Ein räuberischer Diebstahl wird wie ein Raub bestraft. Der Angeklagte muss also, wenn sich die Vorwürfe gegen ihn bestätigen, mit einer Freiheitsstrafe von fünf bis fünfzehn Jahren rechnen – vorausgesetzt, das Gericht schätzt ihn als voll schuldfähig ein.

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