TU-Studenten untersuchen Gifhorns Alten Friedhof

Gifhorn.  Stadt und Kreisarchäologie hoffen auf Spuren aus der Zeit des Mittelalters bis in die 1960er Jahre.

Die Studenten der TU Braunschweig, Cindy Grätz und Johannes Hoppenbrock, untersuchen, was sich auf dem Alten Gifhorner Friedhof unter der Grasnabe befindet.

Die Studenten der TU Braunschweig, Cindy Grätz und Johannes Hoppenbrock, untersuchen, was sich auf dem Alten Gifhorner Friedhof unter der Grasnabe befindet.

Foto: Reiner Silberstein

Die Stadt vermute unter der Grasnabe des ältesten Friedhofs Gifhorns verborgene Gräber und Steinplatten, sagt Kulturamtsleiter Klaus Meister. „Doch wie lässt sich das ermitteln, ohne den Friedhof komplett umzugraben?“ Da kommt das Institut für Geophysik und extraterrestrische Physik an der TU Braunschweig zu Hilfe. Seit Mittwoch vermessen Prof. Dr. Andreas Hördt und Studenten Teile des Geländes mit allerlei technischem Gerät.

Drei Tage sind Hördt, sein Assistent Dr. Christopher Virgil sowie sechs angehende Wissenschaftler der Fachbereiche Physik sowie Umweltnaturwissenschaften auf dem unebenen Gelände am Weinberg beschäftigt. Es kommen drei Methoden zur Anwendung: „Wir messen zum Beispiel die elektrische Leitfähigkeit. Damit kann man nicht nur Ton und Sand voneinander unterscheiden, sondern man sieht auch, wenn Metall im Boden liegt. Das gleiche Ziel verfolge die Magnetfeldmessung. Bei der dritten Methode, dem Georadar, könne man Steinplatten ausfindig machen.

Die ersten Ergebnisse lassen einige Gegenstände im Boden vermuten

Punkt für Punkt gehen die Studenten ein imaginäres Raster ab. Die Daten werden später am Computer zusammengetragen, der daraus farbige Grafiken erstellt. Nach ein paar ersten Testuntersuchungen kann Hördt jetzt schon sagen: „Hier ist einiges los!“ Denn die Farbkontraste auf Teilen der errechneten Bilder seien groß, darunter seien Gegenstände zu vermuten. „Vielleicht Bronzebeschläge oder aber metallene Anker, die die Einfassungen zusammenhalten“, sagt Virgil.

Der erste Querschnitt mit dem Georadar ergibt ein sehr wildes Bild – „das können auch Baumwurzeln sein“, sagt Hördt. Beim genaueren Hinsehen sind aber zwei parallele Striche im tieferen Boden zu erkennen. „Da liegt wahrscheinlich etwas drunter.“

Grabungen sollen nur mit Zustimmung der Kirche stattfinden

Als nächstes könnte man laut Kreisarchäologe Dr. Ingo Eichfeld die drei auffälligsten Anomalien heraussuchen und näher betrachten. Sprich: auch graben. Das allerdings vorbehaltlich der Zustimmung durch die Kirche. Denn: „Man muss sich immer vergegenwärtigen: Hier sind Menschen bestattet worden. Da muss man mit dem entsprechenden Respekt vorgehen.“

So oder so: Die Gifhorner sind gespannt auf die Ergebnisse des Instituts, die vermutlich ab Anfang November vorliegen. Hördt: „Die Studierenden machen einen Abschlussbericht, der wird dann noch überarbeitet.“ Klaus Meister hofft darauf, dass sich vielleicht eine Frage klären lässt: „Die Lokalhistoriker streiten sich, seit wann hier Bestattungen stattgefunden haben.“ Bisher sei nur bekannt, dass die Kapelle 1382 eingeweiht worden ist. Begräbnisse seien erst ab der Hildesheimer Stiftsfehde von 1519 nachweisbar. Gegen 1960 war es endgültig vorbei mit den Bestattungen. Meister: „Im Schnitt gab es etwa 30 Begräbnisse im Jahr. Das wären bis dahin um die 12.000.“ Die sollten wohl Spuren hinterlassen haben.

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