Bundesarbeitsminister besorgt über Conti-Teves-Standort Gifhorn

Gifhorn.  Arbeitsminister Hubertus Heil reagiert beim Ausbildungsgipfel in der Gifhorner BBS II verärgert auf Unternehmenspläne des Conti-Konzerns.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (links) hörte sich beim Ausbildungsgipfel in der Berufsbildenden Schule II in Gifhorn die Sorgen der Auszubildenden, der Ausbilder und der Arbeitsagentur an. Mit dabei waren unter anderem Obermeister Thorsten Meyer, Henriette Hagemann, Ulf Steinmann (Agentur für Arbeit), Landtagsabgeordneter Philipp Raulfs und Michael Neuburger.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (links) hörte sich beim Ausbildungsgipfel in der Berufsbildenden Schule II in Gifhorn die Sorgen der Auszubildenden, der Ausbilder und der Arbeitsagentur an. Mit dabei waren unter anderem Obermeister Thorsten Meyer, Henriette Hagemann, Ulf Steinmann (Agentur für Arbeit), Landtagsabgeordneter Philipp Raulfs und Michael Neuburger.

Foto: Dirk Kühn

Eigentlich war der kleine Ausbildungsgipfel in der Berufsbildenden Schule II in Gifhorn schon fast beendet, da ging Bundesarbeitsminister Hubertus Heil auf Nachfrage doch noch einmal deutlich auf die Unternehmenspläne des Continental-Konzerns ein. Scharf kritisierte er die Ankündigung, das Conti-Werk in Aachen schließen zu wollen, um die Produktion möglicherweise ins Ausland zu verlagern. Nicht nur der Standort Conti-Teves in Gifhorn bereite ihm große Sorge, sondern der gesamte Konzern. Heil erwarte eine sozialpartnerschaftliche Lösung. Ohne Frage sei die Automobilindustrie hart von der Corona-Krise getroffen und befinde sich mit Blick auf die E-Mobilität ohnehin in einem Strukturwandel. Aber dieses Jobabbauprogramm sei nicht nachvollziehbar.

Auszubildende berichtet über Homeschooling

Zuvor stand das Thema Berufsausbildung in Zeiten der Pandemie im Mittelpunkt. Auszubildende Henriette Hagemann, die im zweiten Lehrjahr technische Produktdesignerin lernt, berichtete von den Tücken des Homeschoolings und freute sich, dass jetzt wieder im Klassenverband unterrichtet wird. Für die Ausbilder sprachen Michael Neuburger, Leiter des Servicebereichs im Autohaus Kühl und stellvertretender Obermeister der Kfz-Innung, sowie Thorsten Meyer, Obermeister der Innung für Sanitär und Heizungstechnik aus Wittingen. Das Sanitärhandwerk habe durch den Lockdown keine großen Einbrüche verzeichnet, berichtete Meyer. Allerdings sei die Ausbildung nach wie vor „ein Riesenthema“. Es werde immer schwieriger, junge Menschen für einen Beruf im Sanitärhandwerk zu begeistern.

Deutlicher waren die Auswirkungen der Corona-Pandemie in der Kfz-Branche. Wie Neuburger erläuterte, sei der Vertrieb zeitweise völlig zum Erliegen gekommen. Lob gab es in Richtung Agentur für Arbeit, für eine unbürokratische Genehmigung der Kurzarbeit. Neuburgers Kritik galt der aktuellen Fokussierung auf E-Mobilität, er wünschte sich eine offene Diskussion, in die auch die Themen synthetische Kraftstoffe und Wasserstoff einbezogen werden. Diese Bandbreite sei wichtig.

BBS-II-Schulleiter Carsten Melchert und Regina Ruge konkretisierten die Probleme um das Homeschooling. Das digitale Lernen bereite erheblich mehr Arbeit und sei sehr viel aufwendiger. Wünschenswert sei ein Anschluss ans Glasfasernetz.

Mit konkreten Arbeitsmarktzahlen wartete Ulf Steinmann auf, Leiter der Agentur für Arbeit für Helmstedt, Wolfsburg und Gifhorn. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Arbeitslosen von rund 4000 auf 4800 gestiegen, ein Anstieg um 20 Prozent. Auch die Zahl der Arbeitslosen jungen Menschen liege um etwa 30 Prozent höher. Ein kleiner Lichtblick sei die Zahl der gemeldeten offenen Stellen Ende August: 239 waren es, im Vergleich zu 222 im August vergangenen Jahres immerhin 17 mehr.

248 Jugendliche sind zur Zeit im Landkreis Gifhorn noch ohne Ausbildungsplatz. Steinmann zeigte sich zuversichtlich, dass die Zahl noch sinkt. Er geht davon aus, „mit einem blauen Auge aus diesem Ausbildungsjahr heraus zu kommen.“ In Grenzen hält sich die Nachfrage für die vom Bund bereitgestellte Ausbildungsprämie. 80 Beratungsgespräche, 20 bewilligte Prämien verzeichnete die Agentur für Arbeit bisher.

Hubertus Heil appelliert an Arbeitgeber: „Bildet aus!“

Arbeitsminister Heil zog eine positive Bilanz des kleinen Ausbildungsgipfels. Es gebe Grund für einen vorsichtigen Optimismus – immer vorausgesetzt, es komme nicht zu einem zweiten Lockdown. Mit Blick auf die Betriebe appellierte er, dass es gerade in dieser Situation wichtig sei, junge Menschen auszubilden. „Unsere Gesellschaft braucht vielleicht mehr Meister und weniger Master.“ Das gemeinsame Signal sollte deshalb lauten: „Bildet aus!“ In sechs Monaten soll es ein weiteres Treffen geben, „um zu sehen, wo wir stehen“.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder