Zwei weitere Zeugenaussagen im Gifhorner Missbrauchsprozess

Gifhorn.  Eine ehemalige Diplom-Sozialpädagogin aus Northeim spricht über den Kontakt mit dem Pädagogen-Ehepaar vor mehr als 20 Jahren.

Bei den Aussagen des Angeklagten und der Gutachterin wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen.

Bei den Aussagen des Angeklagten und der Gutachterin wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen.

Foto: Reiner Albring

Mehr als 20 Jahre lagen die Ereignisse zurück, an die sich am Montag eine Zeugin vor dem Hildesheimer Landgericht erinnern sollte. Die heute 67-Jährige arbeitete damals beim Landkreis Northeim. Als Diplom-Sozialpädagogin war sie involviert, als eines der mutmaßlichen Opfer mit seinen drei Geschwistern nach Gifhorn in eine Wohngruppe umzog.

Das angeklagte Pädagogen-Ehepaar habe sich damals bereit erklärt, die Kinder aufzunehmen, erklärte sie. Dies sei eine gute Chance für das Mädchen gewesen, aus der alten Rolle in der überforderten Familie, die sie intensiv betreut habe, herauszukommen. Zunächst hatte die Zeugin kein inneres Bild mehr von den Eheleuten, erkannte aber beide auf der Anklagebank wieder.

Ihnen wird mehrfacher sexueller Missbrauch und sexuelle Misshandlung von Schutzbefohlenen in der damals von ihnen geleiteten Wohngruppe in Gifhorn vorgeworfen. Der 57 Jahre alte Erzieher soll von 1998 bis 2007 Mädchen unter anderem gezwungen haben, über Tage Windeln zu tragen. Auch soll ein Mädchen tagelang in einen Hundekäfig gesperrt worden sein. Seiner Frau wird vorgeworfen, nicht eingeschritten zu sein.

Nichts Konkretes zum Einschreiten habe man damals 1998 bei der Northeimer Familie gefunden, „obwohl sexueller Missbrauch schon irgendwo im Raum stand“, erinnerte sich die Zeugin. Zudem erklärte sie, das betreffende Mädchen sei damals sexuell auffällig gewesen: „Ich war froh, als alle Kinder zusammen nach Gifhorn kamen.“

Dort arbeitete damals bei der Diakonie in Kästorf der zweite Zeuge. Der 72-Jährige ist heute ebenfalls Rentner. Seine Aufgabe sei es gewesen, die Leistungsdiagnostik der Kinder zu erstellen. Die Verteidigung wollte von ihm wissen, ob er einst die Teilnahme ihres Mandanten an einem bestimmten Seminar der Traumapädagogik angeordnet hätte. Dies verneinte der Mann entschieden.

Im Anschluss an die Aussagen gab der Angeklagte eine Erklärung zu einem Buch mit Sexualpraktiken ab, das die Polizei bei einer Hausdurchsuchung bei ihm gefunden hatte. Ebenso wie die Expertise einer Gutachterin wurde die Öffentlichkeit dabei ausgeschlossen.

Der nächste Verhandlungstermin ist am Donnerstag, 24. September, um 9.30 Uhr angesetzt.

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