Kreis Gifhorn an Himmelfahrt bollerwagenfrei

Gifhorn.  Der Vatertag gehört unter blauem Himmel der Familie. Corona ist ganz weit weg.

Die Müdener St.-Petri-Gemeinde feierte an Himmelfahrt einen Freiluftgottesdienst vor der Kirche mit 120 Gläubigen in angemessenem Abstand.

Die Müdener St.-Petri-Gemeinde feierte an Himmelfahrt einen Freiluftgottesdienst vor der Kirche mit 120 Gläubigen in angemessenem Abstand.

Foto: Christian Franz

Himmelfahrt, schon nach 17 Uhr in der Eisdiele an Gifhorns Schillerplatz: Der erste Bollerwagen des Tages zieht vorbei, beschallt von Mallorca-Mucke, bemannt von zwei wackeren, aber etwas ziellosen Jugendlichen. Der große Rest des Donnerstags war ganz anders als sonst: Komplett bollerwagenfrei und klischeefrei. Dieser Vatertag gehörte der Familie. Er stand im Zeichen des Fahrrads. Laut Polizei Gifhorn blieb es durchweg ein „entspannter Feiertag“.

Am Schlosssee, wohin die Vatertagstouren vieler Jugendlicher in den vergangenen Jahren mündeten, tat sich gar nichts: Eine Familie picknickte auf der Wiese. Zwei Pärchen dösten in der Sonne. Polizei und Sicherheitsdienst waren nicht zu sehen. Selbst ohne deren Präsenz hielten sich alle an das Versammlungs- und Alkoholverbot.

Am Tankumsee strahlte Geschäftsführer Burkhard Roozinski mit der Sonne um die Wette: „Was für ein schöner Tag!“, begeisterte er sich an dem gelassenen Getümmel auf Strand und Liegewiese. 14 Sicherheitsleute warfen an den Zugängen prüfende Blicke in Rucksäcke, Picknickkörbe und Satteltaschen der Besucher. Alkohol und Glasflaschen waren tabu, aber fast nie ein Problem. Roozinski: „Die Leute halten sich an die Regeln.“ Sie wollen Spaß haben, keinen Ärger. Ein Bier oder einen Cocktail gibt’s schließlich auch am Kiosk oder an der Bar.

Petra Leushake vom Management des Bernsteinsees ist ebenfalls mit dem sonnigen Neustart am langen Himmelfahrtswochenende und an Pfingsten zufrieden. „Wir sind froh, wieder für unsere Gäste da sein zu dürfen.“ Mit der Öffnung um 12 Uhr mittags habe es einen „großen Ansturm gegeben“. Geschickt kanalisiert: Auf der Seeterrasse wird serviert, am Café & Co. gibt es Leckereien zum Mitnehmen. Das war auch die Option für die achtköpfige Motorrad-Gruppe, die zurzeit noch nicht an einem Tisch Platz nehmen darf. Badestrand, Adventure-Golf, Spielplätze – die übrigen Ausflügler verteilten sich im Sonnenschein.

Helga und Heiner Mohwinkel und Elli und Rudolf Kloss aus Isenbüttel rasteten im Biergarten vor dem Gasthaus Deutscher Heinrich in Wilsche schön schattig. Die befreundeten Ehepaare hatten eine Radtour über Winkel unternommen und in Neubokel zum Mittagessen reserviert. Radfahrer wie sie prägten das Bild auf allen Strecken. Das galt auch für Müden, an Himmelfahrt normalerweise ein Mekka für Oldtimerfreunde.

Vor der Müdener Petri-Kirche feierte die Gemeinde mit 120 Besuchern einen Freiluft-Gottesdienst. „Ich bin so froh, die Menschen mal wieder zu sehen“, strahlte Pastor Jürgen Harting. Organistin Gisela Wiegmann, Diakon Christian Zimmermann und Jugendleiter Severin Kisser sorgten sogar für Live-Musik.

Christhard Meyer vom Heimatmuseum hatte nach dem Gottesdienst noch einen Hingucker parat: Das sanierte Werk der Turmuhr von 1887. „Es tickt wieder“, jubelte er. Erst im März hatte er es eigenhändig ausgebaut. Das Weule-Original galt eigentlich als unwiederbringlich kaputt. „Aber das ist halt der Mercedes unter den Uhrwerken“, sagte Tüftler Meyer.

Vor der Ribbesbütteler Kirche hatte Pastor Michael Bausmann eine Impulsstation gestaltet. Einen Gottesdienst gibt es hier nicht. Aber da kommen ein paar Radfahrer vorbei, gucken, stoppen, und halten einen Moment inne unter strahlend blauem Himmel.

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