Hass, Krieg und Gewalt

Braunschweiger Pfarrer fragt: Muss man hassen, um zu gewinnen?

| Lesedauer: 3 Minuten
Muss man erst hassen, um gewinnen zu können? Oder ist die Liebe am Ende doch stärker? Das drückt dieses Symbolfoto aus.

Muss man erst hassen, um gewinnen zu können? Oder ist die Liebe am Ende doch stärker? Das drückt dieses Symbolfoto aus.

Foto: Sophia Kembowski / dpa

Braunschweig.  Der Gedanke beunruhigt, wie oft tatsächlich Verhalten und Handeln von dieser „Spielregel“ bestimmt zu sein scheinen, meint Pfarrer Bernward Mnich.

„Man muss erst hassen, um gewinnen zu können“ – es ist schon Jahre her, dass mir diese Schlagzeile im Lokalteil einer Zeitung (nicht der Braunschweiger…) ins Auge sprang.

Verwundert stellte ich fest, dass damit der Bericht über ein Simultan-Schachspiel eines tschechischen Großmeisters gegen 25 Kontrahenten überschrieben war. Mit dem zitierten Satz hatte er die „Philosophie“ seines Schachspielens umschrieben und erklärend hinzugefügt: „Einen Gegner will man immer vernichten.“ Auch wenn es nur um eine „Spielregel“ ging – diese Aussage hatte für mich etwas Erschreckendes.

Schrecken und Dynamik eines Krieges treiben in eine solche Haltung

Noch beunruhigender ist der Gedanke, wie oft im wirklichen Leben das Verhalten und Handeln von Menschen von dieser „Spielregel“ bestimmt zu sein scheinen. Die wachsende Gewaltbereitschaft in unserer Gesellschaft ist ein Beispiel dafür.

In letzter Konsequenz zeigt sich die Auswirkung dieser „Spielregel“ in der Gewalt und Grausamkeit des Krieges – wie er jetzt seit Wochen in der Ukraine tobt.

„Man muss erst hassen, um gewinnen zu können“ – es besteht immer wieder die Gefahr, dass Schrecken und Dynamik eines Krieges in diese Haltung treiben. Auch diejenigen, die zu Recht ihr Land gegen den völkerrechtswidrigen Überfall eines Aggressors verteidigen.

Viele kennen den Satz Jesu aus der Bergpredigt, der hierzu ein echter Gegen-Satz ist: „Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen.“

Kann das eine echte Lebensregel für die Wirklichkeit sein, oder ist es nur eine weltfremde „Spielregel“?

Ich würde es nicht ohne weiteres wagen, einem Opfer von Gewalt und Krieg zu sagen: „Liebt Eure Feinde“

Zugegeben – ich würde es niemals ohne weiteres wagen, diesen Satz einem der vielen Opfer von Gewalt und Krieges auf den Kopf zuzusagen. Und doch: Wenn ich ihn nicht nur als eine Forderung verstehe, sondern zugleich als Zusage, dann erinnert er mich an das, was auch menschen-möglich ist. Und er erinnert an den, der den Satz nicht nur gesagt, sondern gelebt hat: Jesus von Nazareth, in dem die Liebe, die den Hass überwindet, überzeugend und glaubwürdig Gestalt angenommen hat.

Zwar scheint er am Ende – selbst Opfer von Hass und Gewalt – mit seiner Lebensregel gescheitert zu sein und auf der Verliererseite zu stehen.

Aber er ist bis heute der Garant dafür, dass Liebe eine stärkere Kraft ist als Hass und Gewalt. Vor kurzem haben wir Ostern gefeiert. Das Fest, das uns daran erinnert, dass Gottes Liebe stärker ist als der Tod. Im Hass gibt es letztlich nur Verlierer – auf beiden Seiten.

In der Liebe gibt es nur Gewinner – auch auf beiden Seiten.

Fragen zum Artikel? Mailen Sie uns: redaktion.online-bzv@funkemedien.de

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder