Corona-Medikament aus Braunschweig vor klinischer Testphase

Braunschweig.  Die NBank und Privatinvestoren unterstützen Corat Therapeutics mit einer zweiten Beteiligungsfinanzierung. Nun sind weitere Investoren nötig.

Mitarbeiter der Biotech-Firma Yumab prüfen den Erfolg nach der Antikörper-Selektion. Jeder Punkt auf der Platte ist eine Bakterienkolonie mit der Sequenz eines Antikörpers, der das SARS-CoV-2 Virus bindet.

Mitarbeiter der Biotech-Firma Yumab prüfen den Erfolg nach der Antikörper-Selektion. Jeder Punkt auf der Platte ist eine Bakterienkolonie mit der Sequenz eines Antikörpers, der das SARS-CoV-2 Virus bindet.

Foto: Verena Meier / Archiv

Das Braunschweiger Unternehmen Corat Therapeutics GmbH hat mit der Vorbereitung der klinischen Testphase eines gegen Corona wirkenden Medikaments begonnen. Das teilte das niedersächsische Wirtschaftsministerium am Dienstag mit. Hinter dem Biotech-Unternehmen steht die Yumab GmbH, eine Ausgründung aus der Technischen Universität Braunschweig. Unmittelbar nach Ausbruch des Coronavirus in Deutschland hatten die Experten mit der Suche nach wirksamen menschlichen Antikörpern begonnen.

Schon die erste Entwicklungsphase wurde vom Land Niedersachsen gefördert. Dadurch konnte Corat Therapeutics bereits im November 2020 die ersten Dosen des Medikaments COR-101 bereitstellen. „Das Unternehmen befindet sich in enger Abstimmung mit den Zulassungsbehörden und erwartet in Kürze grünes Licht für den Start der klinischen Testung“, heißt es seitens des Ministeriums.

Althusmann: Entwicklung eines Medikaments darf nicht am Geld scheitern

Die erste Finanzierungsrunde im Frühjahr habe NBank Capital, das Beteiligungsunternehmen der NBank, innerhalb von vier Wochen abgeschlossen. Weitere Investoren kamen aus der privaten Wirtschaft in Braunschweig. „Nunmehr wurde die zweite Finanzierungsrunde unter maßgeblicher Beteiligung von NBank Capital erfolgreich umgesetzt.“

Wirtschaftsminister Bernd Althusmann betont: „Die Entwicklung eines Medikaments gegen Corona darf nicht am Geld scheitern. Wir brauchen Medikamente gegen Corona genauso dringend wie Impfstoffe.“ Corat Therapeutics sei kurz vor dem Ziel, ein in allen bisherigen Experimenten hochwirksames Medikament an Patienten zu testen. „Deshalb stellen wir als Land weiteres Risikokapital zur Verfügung, damit nicht wertvolle Zeit verlorengeht. Wir werden diese Niedersächsische Erfolgsgeschichte weiter intensiv begleiten.“

In zahllosen Schritten und mit Hilfe der Braunschweiger Helmholtz- und Fraunhofer-Institute habe Corat in Rekordzeit den passenden Antikörper identifizieren können. „Aus einer Antikörper-Bibliothek mit zehn Millionen Antikörpern gelang es Corat einen sehr effizienten menschlichen Antikörper zur Bindung an das Spike-Protein des SARS-CoV-2-Virus zu identifizieren“, erläutert das Ministerium. „Damit wird die Bindung an den Rezeptor blockiert und die Ausbreitung des Virus im menschlichen Körper verhindert.“

„Impfstoffe können infizierten Patienten nicht helfen“

Ulf Meier, Vorstandsmitglied der NBank, sagt dazu: „NBank Capital hat mit der ersten Finanzierungsrunde im Juni gemeinsam mit drei Privatinvestoren den Grundstein gelegt. Der nächste Schritt wird nun mit der zweiten Finanzierungsrunde, die die NBank Capital wieder gemeinsam mit Privatinvestoren darstellt, getan. Nur so waren der Startschuss und die weitere Entwicklung des Mittels überhaupt möglich. Für die nächsten Schritte, um ein entwickeltes Mittel marktfähig und marktgängig zu machen sowie zu produzieren, wird jetzt jedoch die Unterstützung anderer Investoren benötigt.“

Dr. Andreas Herrmann, Geschäftsführer der Corat Therapeutics GmbH, erläutert: „Impfstoffe können infizierten Patienten nicht helfen, dazu brauchen wir in jedem Fall ein spezifisch gegen Covid-19 gerichtetes Medikament. Unser menschlicher Antikörper COR-101 ist speziell für diese Anwendung entwickelt und so konzipiert, dass er auch hospitalisierten Patienten helfen kann. Die wiederum sehr schnell umgesetzte Finanzierung mit Hilfe der NBank und unserer bestehenden Investoren ermöglichen uns die dringend notwendigen nächsten Schritte in Richtung Marktversorgung und weitere klinische Entwicklung ohne Zeitverzögerung zu gehen. Wir danken der NBank und unseren Investoren für das in uns gesetzte Vertrauen.“

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