Mehr Wohnraum in Braunschweig durch Aufstockung von Häusern?

Braunschweig.  Der Rat hat auf Antrag der CDU beschlossen, dass die Stadt eine Studie zur „vertikalen Nachverdichtung“ erstellen soll. Ziel: mehr günstige Wohnungen.

Dieses Mehrfamilienhaus in Frankfurt wurde um zwei neue Obergeschosse aufgestockt.

Dieses Mehrfamilienhaus in Frankfurt wurde um zwei neue Obergeschosse aufgestockt.

Foto: Boris Roessler / dpa

Bezahlbare Wohnungen für Menschen mit niedrigem und mittlerem Einkommen sind nach wie vor Mangelware. Zwar hatte der Rat der Stadt vor drei Jahren das „Handlungskonzept für bezahlbaren Wohnraum“ beschlossen. Seitdem müssen Investoren zum Beispiel 20 Prozent Sozialwohnungen nachweisen. Parallel dazu entstehen in Baugebieten Hunderte Wohneinheiten. Doch das grundsätzliche Problem besteht nach wie vor.

Die CDU-Ratsfraktion hat daher angeregt, das Aufstocken bestehender Häuser in den Blick zu nehmen. Man müsse alle Möglichkeiten ausschöpfen, zusätzlichen Wohnraum zu schaffen und so den Mietanstieg zu bremsen oder zu stoppen, sagte Fraktionsvorsitzender Thorsten Köster kürzlich im Bauausschuss. Denn: je größer das Angebot, umso niedriger die Mieten.

Die Kosten für die Studie liegen bei 30.000 Euro

Er beantragte, dass die Stadt eine Konzeptstudie für vertikale Nachverdichtung erstellen soll. Diese Studie soll zeigen, wo und in welchem Umfang Aufstockungen möglich wären. „Unser Ansatz ist, dass die Studie dann den Braunschweiger Wohnungsbaugesellschaften zur Verfügung gestellt wird, um schnell viele Wohnungen zusätzlich zu schaffen“, so Köster.

Der Rat beschloss diesen Antrag vor wenigen Tagen mit breiter Mehrheit. Die Kosten für die Studie, 30.000 Euro, stehen bereits zur Verfügung. Das Geld war ursprünglich für eine andere, vor einigen Monaten von der CDU beantragte Studie zum seriellen und modularen Bauen für bezahlbaren Wohnraum vorgesehen. Doch diese Studie hat sich inzwischen erübrigt, weil die städtische Wohnungsgesellschaft Nibelungen Wohnbau ein entsprechendes Vorhaben im Baugebiet Stockheim-Süd umsetzt.

Stadtbaurat: Aufstockungen nicht geeignet, um viel Wohnraum zu schaffen

Das Geld liegt also bereit und wird nun für die neue Studie verwendet – auch wenn die Stadtverwaltung darin überhaupt keinen Nutzen sieht. Stadtbaurat Heinz-Georg Leuer hatte im Bauausschuss zwar betont, dass Aufstockungen grundsätzlich zu begrüßen seien, weil keine zusätzliche Fläche versiegelt werde. Aber nicht immer lasse die Statik eine Aufstockung zu. Außerdem gebe es nur wenige Bebauungspläne, die Aufstockungen erlauben.

Und in Bereichen ohne Bebauungsplan müsse sich die neue Bebauung an die Umgebung anpassen, auch hinsichtlich der Bauhöhe. Andernfalls müsste dort ein Bebauungsplan aufgestellt werden, und das sei sehr aufwendig und momentan nicht leistbar, wenn es nur um einzelne Wohnungen gehe. Die Bauverwaltung konzentriere ihre Kräfte zurzeit auf Projekte mit mehreren hundert Wohnungen. Sein Fazit: „Im Einzelfall sind Aufstockungen möglich. Aber sie sind wahrscheinlich nicht das geeignete Mittel, um viel Wohnraum zu schaffen.“

Jalyschko: Studie ist überflüssig

Grünen-Ratsfrau Lisa-Marie Jalyschko griff im Bauausschuss als Einzige Leuers Einwände konkret auf: „Die Stadt sollte ihre Energie auf kommende Bauprojekte richten und dort dicht planen“, sagte sie. Ein deutlicher Zuwachs an Wohnraum könne nur durch eine Fokussierung auf Geschosswohnungsbau realisiert werden. Den Flächenverbrauch, der mit dem Bau von Einfamilienhäusern einhergehe, könne sich die Stadt nicht mehr leisten.

Sie halte die Studie für überflüssig, erläuterte Jalyschko, weil man hinterher nicht schlauer sein werde als jetzt. Bei der Abstimmung über den CDU-Antrag enthielt sie sich.

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