Wurde Maddie-Verdächtiger beim Anlegen von Fußfesseln verletzt?

Braunschweig.  Zwischenfall im Landgericht Braunschweig: Der Verteidiger hat Strafanzeige wegen Körperverletzung erstattet – Ermittlungen laufen.

Der Tatverdächtige im Fall der in Portugal verschwundenen dreijährigen Madeleine McCann wurde am Montag mit einem Gefangenentransport zu einer Anhörung ins Braunschweiger Landgericht gebracht.

Der Tatverdächtige im Fall der in Portugal verschwundenen dreijährigen Madeleine McCann wurde am Montag mit einem Gefangenentransport zu einer Anhörung ins Braunschweiger Landgericht gebracht.

Foto: Bernward Comes / Braunschweiger Zeitung

Der Mordverdächtige im Fall der 2007 verschwundenen Maddie soll während eines Zwischenfalls im Braunschweiger Landgericht am Montag beim Anlegen von Fußfesseln eine Rippenverletzung erlitten haben. Das hat das Gericht am Dienstag in einer Pressemitteilung offiziell bestätigt. Darin heißt es weiter: „Die genauen Umstände der Art und Weise der beabsichtigten Fesselung ebenso wie der dann folgende Geschehensablauf sind Gegenstand weiterer Ermittlungen.“

Der Verteidiger des 43-Jährigen hat unterdessen gegen beteiligte Justizbeamte Strafanzeige wegen Körperverletzung gestellt, wie Christian Wolters, Sprecher der Braunschweiger Staatsanwaltschaft, Medienberichte bestätigte. Auf Anfrage unserer Zeitung gab der Kieler Anwalt dazu am Dienstag keinen Kommentar ab.

Maddie-Verdächtiger verbüßt aktuell in der JVA Kiel eine Freiheitsstrafe wegen Drogenhandels

Nach einer ambulanten Krankenhaus-Behandlung wurde der 43-Jährige am Montag wie geplant von der Strafvollstreckungskammer des Landgerichts angehört. Aktuell verbüßt er in der Justizvollzugsanstalt Kiel eine Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten wegen Drogenhandels . Zwei Drittel der Strafe waren am 7. Juni 2020, die vollständige Strafe ist im Januar 2021 verbüßt. Der Verurteilte hat beantragt, den Strafrest zur Bewährung auszusetzen. Die Entscheidung der Strafvollstreckungskammer dazu steht noch aus.

Mit einer Entlassung des Tatverdächtigen im Fall der dreijährigen Madeleine McCann ist aber ohnehin nicht zu rechnen. Denn parallel existiert gegen den Mann ein Untersuchungshaftbefehl des Amtsgerichts Braunschweig wegen der Vergewaltigung einer 72-Jährigen in Portugal im Jahr 2005. Im Dezember 2019 ist er deshalb vor dem Braunschweiger Landgericht zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von sieben Jahren verurteilt worden. Zwar ist das Urteil noch nicht rechtskräftig, doch würde der 43-Jährige bei einer vorzeitigen Entlassung im Drogen-Verfahren wieder in Untersuchungshaft wechseln. „Eine Haftentlassung steht aktuell nicht bevor“, so Gerichtssprecherin Maike Block-Cavallaro.

Bundesgerichtshof: Braunschweiger Landgericht ist zuständig

Wegen Handels mit Marihuana in nicht geringer Menge war der Mann, der seinen letzten deutschen Wohnsitz in Braunschweig hatte, bereits 2011 vom Amtsgericht Niebüll zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt worden. Eine ursprünglich ausgesprochene Bewährung wurde zwischenzeitig widerrufen. Nach Unklarheiten, welches Gericht über den Antrag des 43-Jährigen auf vorzeitige Haftentlassung zu entscheiden hat, hat der Bundesgerichtshof jetzt das Braunschweiger Landgericht für zuständig erklärt.

Im Juni dieses Jahres machten Bundeskriminalamt und die Braunschweiger Staatsanwaltschaft im Rahmen eines Zeugenaufrufs außerdem bekannt, dass sie gegen den Mann wegen Mordverdachts im Fall der 2007 aus einem Hotelzimmer spurlos verschwundenen Britin Maddie ermitteln. In demselben Ferienort, Praia da Luz, war zwei Jahre zuvor auch die 72 Jahre alte Amerikanerin in ihrem Haus überfallen und sexuell misshandelt worden. Dort lebte zur Tatzeit auch der heute 43-Jährige.

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