Fridays for Future: Braunschweig soll bis 2030 klimaneutral sein

Braunschweig.  Die Jugendlichen setzen erneut auf Unterstützung seitens der Politik. Zentraler Punkt: In 10 Jahren werden hier keine Treibhausgase mehr ausgestoßen.

Marvin Stender (links), Matti Schoss und Emilie Knapheide stellen den aktualisierten Forderungskatalog und ihre Anträge an die Politik vor.

Marvin Stender (links), Matti Schoss und Emilie Knapheide stellen den aktualisierten Forderungskatalog und ihre Anträge an die Politik vor.

Foto: Bernward Comes

Wenn es nach „Fridays for Future“ geht, dann kann und muss Braunschweig zum Vorreiter werden: Schon 2030 soll die Stadt klimaneutral sein, fordert die Ortsgruppe jetzt. Das würde bedeuten: In zehn Jahren werden hier keine Treibhausgase mehr ausgestoßen.

Es ist ein äußerst anspruchsvolles Ziel. Weitaus ambitionierter als das, was sonst angepeilt wird. Der Regionalverband Großraum Braunschweig beispielsweise will die Treibhausgas-Emissionen bis 2050 nahezu auf Null reduzieren. Auch auf Bundesebene gilt 2050 als Zielmarke. Doch aus Sicht von „Fridays for Future“ und anderen Klimaschützern ist dieser Zeitraum viel zu lang.

Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad

Damit eine realistische Chance bestehe, die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, müsse man das Jahr 2030 in den Blick nehmen, sagt der Student Marvin Stender. Daher wollen die Braunschweiger Aktivisten jetzt Nägel mit Köpfen machen.

Der Zeitpunkt ist günstig: Die Stadtverwaltung erarbeitet gerade ein neues Klimaschutzkonzept. 2021 soll es beschlossen werden. „Fridays for Future“ ist an den Experten-Workshops beteiligt, die von der Verwaltung organisiert werden.

Forderungskatalog von 2019 wurde überarbeitet

„Uns ist wichtig, dass sich unsere Kernthemen im Klimaschutzkonzept wiederfinden“, sagt Matti Schoss vom Martino-Katharineum. Aus diesem Grund hat die Gruppe ihren Forderungskatalog überarbeitet. Eine erste Version dieses Katalogs hatten sie schon im Mai 2019 erstellt und dem Oberbürgermeister übergeben.

„Das ist damals aber alles unter Zeitdruck in nur zwei Wochen entstanden“, sagt Matti Schoss. „Inzwischen sehen wir manche Dinge anders. Manches hat sich auch schon positiv entwickelt. Einige unserer Forderungen waren zu unkonkret. Deswegen aktualisieren wir den Katalog jetzt.“

Enger Austausch mit Wissenschaftlern

Marvin Stender ergänzt: „Wir haben in der Zwischenzeit regelmäßig mit den ,Scientists for Future’ und der Stadtverwaltung gesprochen. Dadurch haben wir viel dazugelernt.“

Und die Studentin Emilie Knapheide sagt: „Braunschweig hat das Potenzial, Vorreiter zu sein.“ Immerhin sei die Stadt eine der forschungsintensivsten Europas, habe aktive Umwelt- und Klimaschutzverbände und sei auch finanzstärker als manch andere Kommune. „Wir hoffen, dass die Politiker mutiger werden und sich bestärkt fühlen, mehr zu wagen.“

Viele Einzelschritte, um Klimaneutralität zu erreichen

Um den Verzicht auf Treibhausgase in Braunschweig bis 2030 zu packen, setzen die Aktivisten in ihrem aufgefrischten Forderungskatalog zum Beispiel auf folgende Schritte: mehr Solaranlagen auf allen Dächern, mehr Windparks in der Region, massiver Ausbau von ÖPNV sowie Rad- und Fußwegen, Elektrifizierung des Verkehrs.

Außerdem: mehr energetische Sanierungen, hohe Energiestandards bei Neubauten (KfW 40), Einsatz recycelter Baumaterialien, Entwicklung von Quartieren mit einem Nutzungsmix (Stadt der kurzen Wege), vegetarisches und veganes Bio-Angebot in Mensen und Kantinen, Förderung von regionalen Erzeugermärkten, Mülltrennung im öffentlichen Raum, Umwandlung versiegelter Flächen in Grünflächen, Dach- und Fassadenbegrünung sowie keine Ansiedlung treibhausgasintensiver Firmen ...

Sechs Anträge an die Braunschweiger Politik

Damit auch schon kurzfristig einiges geschieht, haben die Aktivisten erneut Antragsvorschläge für die Politik erarbeitet. Schon im Sommer waren sie mit diesem Vorgehen erfolgreich gewesen: Die Linksfraktion hatte drei ihrer damaligen Anträge aufgegriffen, und im Rat gab es daraufhin breite Mehrheiten für mehr Pocketparks, für den endgültigen Umstieg aller städtischen Gesellschaften auf Ökostrom sowie dafür, dass die Verwaltung in Beschlussvorlagen auch die jeweiligen Auswirkungen auf das Klima erläutern soll.

Dieses Mal hat die Ortsgruppe sechs ausführlich begründete Anträge an die Fraktionen geschickt: 1. Das Klimaschutzkonzept wird auf eine Reduktion der Treibhausgasemissionen um 100 Prozent bis 2030 verschärft. 2. PKW-freie Innenstadt bis spätestens 2022 (mit Ausnahmen etwa für Menschen mit Beeinträchtigungen, Handwerker, Lieferanten). 3. Energetische Quartierskonzepte mit Gebäudeerneuerung, Schaffung dezentraler Energieversorgungssysteme und Begrünung. 4. Erstellung einer Gehölzschutzsatzung sowie mehr Neu- und Ersatzpflanzungen von Bäumen. 5. Neue Fahrzeuge der BSVG ohne Verbrennungsmotor. 6. Verzicht auf Einwegprodukte.

Über diese Anträge wollen sie jetzt mit den Fraktionen diskutieren. „Änderungen sind erwünscht“, sagt Marvin Stender. „Wir sind ja keine Rechtsexperten, und wir reden gern über Kompromisse oder weitere sinnvolle Maßnahmen, solange die Ziele gleich bleiben.“

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