Wie können Erstsemester an der TU Braunschweig starten?

Braunschweig.  Das Wintersemester bleibt überwiegend digital, doch es soll mehr Präsenz-Veranstaltungen geben als im Sommersemester. Der Aufwand dafür ist immens.

Im Wintersemester soll es ein paar mehr Präsenzveranstaltungen geben als im Sommersemester – wenn die Infektionslage in Braunschweig so ruhig bleibt wie im Moment.

Im Wintersemester soll es ein paar mehr Präsenzveranstaltungen geben als im Sommersemester – wenn die Infektionslage in Braunschweig so ruhig bleibt wie im Moment.

Foto: Oliver Berg / dpa (Symbolbild)

Fast 4000 Erstsemester hat die TU Braunschweig zum Wintersemester 2019 empfangen. Wie seit etlichen Jahren fand die Begrüßung im Eintracht-Stadion statt. Danach folgten wie immer Ersti-Rallyes, Kneipenbesuche, Ersti-Partys, Ersti-Fahrten in den Harz und vieles mehr. Die Devise: ankommen, sich kennenlernen, Netzwerke knüpfen, Freunde fürs Leben finden – und dann hinein in die Hörsäle, Seminarräume und Labore.

Doch dieses Mal muss angesichts der Corona-Pandemie alles anders ablaufen. Nur wie? Studenten der Technischen Universität haben sich vor wenigen Tagen mit einem Brief an das Uni-Präsidium gewendet. Sie bitten eindringlich darum, je nach Studiengang Möglichkeiten zu suchen, um insbesondere Erstsemestern auf jeden Fall einen Zugang zum Campus zu ermöglichen.

„Seminare und kleine Übungen sind gut als Präsenzlehre geeignet“

Das Studium werde durch die Onlinelehre schon für diejenigen deutlich erschwert, die sich kennen und deshalb auch online gemeinsam an Hausaufgaben, Seminaren und Hausarbeiten arbeiten, heißt es in dem Brief. „Erstsemester jedoch kennen wahrscheinlich niemanden in ihrem Studiengang, wenn sie anfangen zu studieren.“

Die Mathematik-Studentin Sabrina Ammann hat das Schreiben initiiert. Unterstützt wird es vom Studierendenparlament, dem Allgemeinen Studierendenausschuss und 26 Fachgruppen. Es gehe nicht darum, dass alle Erstsemester-Veranstaltungen als Präsenzlehre stattfinden müssten, betont Ammann. Wichtig sei, für jeden Studiengang einzeln zu prüfen, wie man analoge Zusammentreffen ermöglichen könne: „Seminare und kleine Übungen sind unserer Meinung nach gut als Präsenzlehre geeignet, da sie einen relativ kleinen Personenkreis umfassen und eine gute Möglichkeit des Kennenlernens bieten.“

„Erstsemester-Rallyes in Kleingruppen durchführen“

Da ein beachtlicher Anteil der Vernetzung auch außerhalb von Veranstaltungen geschehe, wünschen sich die Studenten, dass die Uni eine „Hybrid-Orientierungswoche“ anbietet. „Als Beispiel könnten Erstsemester-Rallyes in Kleingruppen unter Einhaltung der entsprechenden Regeln durchgeführt werden.“

Sabrina Ammann zufolge hat sich TU-Vizepräsident Professor Knut Baumann bereits bei den Studenten gemeldet und sie zum Gespräch eingeladen. Auf Anfrage unserer Zeitung erläuterte er den aktuellen Planungsstand für das Wintersemester – immer unter der Voraussetzung, dass das Infektionsgeschehen ähnlich niedrig ist wie momentan.

Laborpraktika, Exkursionen und Prüfungen in Präsenz

Schon im gerade beendeten Sommersemester gab es neben vielen Onlineangeboten auch einige Präsenzveranstaltungen – zum Beispiel Laborpraktika, Exkursionen und Bestimmungsübungen sowie Veranstaltungen, die spezielle Arbeitsräume in der Universität benötigen. „Die Zeichensäle der Architekturstudierenden wurden für Abschlussarbeiten geöffnet, und die Bibliothek hat viele Lernplätze zur Verfügung stellen können“, so Baumann. „Schriftliche und mündliche Prüfungen wurden in Präsenz durchgeführt.“

Aufgrund der Hygiene- und Sicherheitsauflagen war immer nur eine geringe Personenanzahl möglich. „Dadurch mussten viele Lehrveranstaltungen vielfach durchgeführt werden, was einen Mehraufwand bedeutet, den wir gerne erbracht haben, um Studienzeitverlängerungen möglichst zu vermeiden.“ So gab es beispielsweise Hunderte Prüfungen, teilweise in der VW-Halle, in der Stadthalle und in der Milleniumhalle.

Auch Seminare, Übungen und Tutorien in Kleingruppen in Präsenz

Und so soll es weitergehen: „Lehrveranstaltungsformate, bei denen die Wissensvermittlung im Vordergrund steht, zum Beispiel Vorlesungen, bleiben digital“, so Baumann. „Formate, die stark von der Interaktion der Studierenden und Lehrenden geprägt sind, zum Beispiel Seminare, Übungen und Tutorien, können in kleinen Gruppen in Präsenz stattfinden.“

Die Auswahl erfolge nach didaktischen Gesichtspunkten. Digital schlecht zu ersetzende Formate sollen Priorität haben – dazu zählen zum Beispiel auch die Besprechungen der Entwürfe der Architekturstudenten. „Ebenso werden Lehrveranstaltungen für Erstsemester-Studierende in Präsenz mit Priorität behandelt, um ein besseres Kennenlernen des Studienbetriebs und eine Vernetzung zu ermöglichen.“

Räume können nur zu rund 15 Prozent ausgelastet werden

Aufgrund von Abstandsgeboten, Mindestraumgrößen und Lüftungsanforderungen wird die Personenanzahl in Hörsälen und Seminarräume sehr stark reduziert sein. Baumann zufolge sind nur rund 15 Prozent der ursprünglichen Belegung möglich. Die Raumplanung sei sehr aufwändig und laufe derzeit.

Wenn Personen aus Risikogruppen an einer Präsenzveranstaltung beteiligt seien, müsse es ein paralleles digitales Angebot geben. „Gleiches gilt für Veranstaltungen, bei denen nicht die gesamte Zuhörerschaft wegen der Beschränkungen im Hörsaal anwesend sein kann“, erläutert er. „Ebenso muss jede in Präsenz geplante Veranstaltung jederzeit auf ein digitales Format umgestellt werden können, falls sich die Infektionslage drastisch verschlechtert, oder falls Infizierte während der Inkubationszeit vor Ausbruch der Symptome (unwissentlich) an einer Präsenzveranstaltung teilgenommen haben.“

Bewerbungsfrist bis zum 20. August verlängert

Wie viele junge Leute im Oktober ins Studium starten werden, ist Baumann zufolge noch ungewiss. Die Bewerbungsfrist für Bachelor- und Staatsexamensstudiengänge wurde bis zum 20. August verlängert. Viele Bewerbungen werden erst kurz vor Fristablauf eingereicht. „Dort, wo die Bewerbungsfristen bereits abgelaufen sind (zulassungsbeschränkte Master), ist die Bewerbungslage insgesamt gut“, sagt er. Es gebe mehr Bewerbungen als Studienplätze.

Grundsätzlich ist mit einem Rückgang zu rechnen, weil es in diesem Jahr durch den Wechsel von G8 zu G9 nur sehr wenige Abiturienten gibt. Baumann spricht aber auch von insgesamt rückläufigen Studierendenzahlen im gesamten Bundesgebiet. Außerdem werden aufgrund der Corona-Reisebeschränkungen weniger internationale Studenten erwartet.

Erstsemester-Begrüßung soll angepasst werden

„Die Fachgruppen und Fächer planen derzeit die Orientierungseinheiten für die Erstsemester“, so Baumann. „Einige Fächer planen spezielle Veranstaltungen. Darüber hinaus wird es ein spezielles digitales Angebot für Erstsemester geben, wo wichtige zentrale Einrichtungen wie die Bibliothek vorgestellt werden und erste wichtige Arbeitsschritte erklärt werden, die für alle Lehrveranstaltungen nötig sind, zum Beispiel der Umgang mit dem Lernmanagement-System.“

Auch die Planungen für eine zentrale Erstsemesterbegrüßung laufen ihm zufolge – eine Begrüßung im Stadion ist nicht möglich. „Über die genaue Ausgestaltung können wir derzeit noch nichts sagen. Es wird jedoch eine dem Infektionsgeschehen angepasste Version der Erstsemester-Begrüßung geben.“

Die Vorsicht steht weiterhin über allem. Die TU will unbedingt vermeiden, dass es zu Infektionen kommt – bei rund 20.000 Studenten (und 3700 Beschäftigten), die permanent in der ganzen Stadt unterwegs sind, könnte das sehr schnell sehr unangenehme Kreise ziehen. Darauf hatte die Uni schon in den vergangenen Monaten immer wieder hingewiesen.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder