Der Fall Maddie und die Laube im Kennelblick in Braunschweig

Braunschweig.  Der 43-jährige Verdächtige im Fall Madeleine McCann war 2013 bis 2016 Mitglied im Gartenverein In Braunschweig. Wird hier jetzt auch gegraben?

Diese Gartenlaube auf einer Parzelle im Gartenverein Kennelblick gehörte drei Jahre lang dem Verdächtigen im Fall Maddie.

Diese Gartenlaube auf einer Parzelle im Gartenverein Kennelblick gehörte drei Jahre lang dem Verdächtigen im Fall Maddie.

Foto: Henning Noske

Es ist am Dienstag so ein Tag, wie Kleingärtner ihn sich wünschen, Sonne, immer mal wieder Wolken, leichter Wind, Regen schon, aber nicht jetzt auf der Parzelle, wo man erntet und die Seele baumeln lassen kann.

Im Braunschweiger Gartenverein Kennelblick laufen die Transistorradios, Nachrichten rauf und runter – und es ziehen sich jetzt auch andere Gedanken und Empfindungen in die Gespräche. Topmeldung: Bei Hannover haben sie im Fall Maddie eine Kleingartenparzelle abgetragen, aufgegraben und durchgepflügt. Beweise gegen einen Verdächtigen werden gesucht ...

Das schlägt ein im Gartenverein Kennelblick im Süden der Stadt, wo sich die Mitglieder zwischen mehreren Bahnstrecken und Autobahnen vis a vis von Ringgleis, Eintracht-Nachwuchszentrum und Kennelbad idyllische Rückzugsorte geschaffen haben. Hier streifen wir heute umher, wollen Gerüchten nachgehen. Besaß der 43-Jährige, der im Mordfall Madeleine McCann verdächtigt wird, tatsächlich auch hier eine Parzelle?

Die Prozessberichterstattung gegen den 43-Jährigen finden Sie hier:

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Im Kennelblick am Füllerkamp pfeifen das die Spatzen von den Dächern, aber man muss und will es genau wissen.

Wir sprechen mit dem 1. Vorsitzenden, Jürgen Krumstroh (70). Und kommen schnell zur Sache. Ja, bestätigt Krumstroh ohne Umschweife, der Verdächtige im Fall Maddie war von 2013 bis 2016 Mitglied bei ihnen im Gartenverein Kennelblick. All den englischen Reportern habe er das auch schon gesagt, und auch die Polizei wisse darüber Bescheid. Aber die sei bislang noch nicht dagewesen.

Im Gartenverein Kennelblick kann man sich noch gut an den unauffälligen, ruhigen Mann erinnern.

Auch andere Bewohner der Kleingarten-Anlage bestätigen: Es sollen laut Medienberichten wohl Aufnahmen aus der Luft gemacht worden sein, aber die betroffene Parzelle sei wohl nicht untersucht worden. „Das hat uns eigentlich gewundert, denn damit muss man ja rechnen“, sagt uns ein Gesprächspartner. Und ein anderer vermutet: „Hier wird man doch vermutlich auch wissen wollen, ob da etwas vergraben ist.“

Nicht nur nach der 2007 verschwundenen damals dreijährigen Maddie wird derzeit gesucht, sondern auch nach einem 2015 in Sachsen-Anhalt verschwundenen Mädchen. In seiner Zeit in Braunschweig besaß der 43-jährige Verdächtige auch ein verwahrlostes Grundstück in der Börde bei Neuwegersleben. Dieses war, wie berichtet, 2016 wegen Verdachts auf Kinderpornographie durchsucht worden.

Im Gartenverein Kennelblick kann man sich noch gut an den unauffälligen, ruhigen Mann erinnern, der damals in Braunschweig gemeinsam mit einer damaligen Freundin einen Kiosk im westlichen Ringgebiet betrieben haben soll.

„Er bezahlte regelmäßig seine Mitgliedsbeiträge und kam seinen Pflichten nach – und beteiligte sich auch ordnungsgemäß an den Gemeinschaftsstunden, die hier vorgeschrieben sind“, sagt Jürgen Krumstroh. „Hals über Kopf“ aber habe er dann am Ende austreten wollen, da habe man ihn ein bisschen überzeugen müssen, dass dafür noch eine Austrittserklärung nötig sei. Die habe er korrekt geliefert.

Später habe man dann den früheren Gartenfreund als Verdächtigten im Internet wiedererkannt, ausgerechnet in so einer weltweiten Sache – und sich schon mächtig darüber erschrocken. Klar, dass auch die Behörden aufgeklärt worden seien.

Von der Staatsanwaltschaft Braunschweig, über die alle offiziellen Auskünfte in dieser Sache laufen, gab es gestern dazu keine Informationen. Unsere Frage, ob geplant sei, eine Kleingartenparzelle in Braunschweig zu untersuchen beziehungsweise dort zu graben, blieb zunächst unbeantwortet.

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