Studenten machen’s möglich: Platz in Braunschweig wird lebendig

Braunschweig.  Bei einem Workshop des TU-Instituts für nachhaltigen Städtebau entwickeln Architektur-Studenten mit Weststädtern viel Kreativität.

Die Schwestern Hasret (links) und Gülcin Sasmaz mit ihren Söhnen Cihan (links, 8 Jahre) und Ayaz (3) bauen hier zusammen an einer Art Sessel. Im Hintergrund ist ein Parcours mit Papprollen über Reifen entstanden.

Die Schwestern Hasret (links) und Gülcin Sasmaz mit ihren Söhnen Cihan (links, 8 Jahre) und Ayaz (3) bauen hier zusammen an einer Art Sessel. Im Hintergrund ist ein Parcours mit Papprollen über Reifen entstanden.

Foto: Karsten Mentasti

Für sieben angehende Architekten im Bachelor- oder Masterstudiengang der Technischen Universität war es ein Workshop im Rahmen ihres Studiums, den das TU-Institut für nachhaltigen Städtebau (ISU) initiiert hatte, für mindestens drei Dutzend Kinder im Emsviertel der Weststadt indes ein großer Spaß. Ein Höhepunkt der vergangenen Monate.

Mit vergleichsweise einfachen Mitteln – stabilen Papprollen, Holzstöcken und alten Autoreifen – bauten Studenten und die am Platz rund um den Kiosk Warnowstraße wohnenden Kinder drauflos, dabei entstanden unter anderem Freiluft- Sitzmöbel und ein Parcours zum Balancieren. Am Abend wurde alles wieder abgeräumt.

Eigentlich bauten und bastelten die Kinder, und mit ihnen auch einige Eltern, während die sieben Studenten und drei Workshop-Leiter einer interdisziplinären Planungsgruppe aus Leipzig, dem Octagon Architekturkollektiv, nur Hilfestellung leisteten.

Kathrin Krones: „Wir wollten nicht für die Bewohner etwas bauen, sondern mit ihnen.“

Deren Workshop-Aufgabe war, aus dem Nichts ein Projekt auf die Beine zu stellen, das mit ihrer künftigen Profession, in diesem Fall einer Tätigkeit als Stadtplaner, zu tun hat – und gleichzeitig eine Interaktion mit den in dem Quartier wohnenden Menschen herzustellen. Oder, wie es Architekturstudentin Kathrin Krones erläuterte: „Wir wollten hier nicht als Fremdkörper auf den Platz eindringen und für die Bewohner etwas bauen, sondern mit ihnen.“

Dafür stand den Studierenden kein Budget zur Verfügung, aus dem sie hätten schöpfen können. So entstand die Idee, alte Autoreifen und Papprollen, die normalerweise den harten Kern großer Papierrollen bilden, zu verwenden. Verschiedene Druckereien und Reifenhändler gaben diese gerne ab. Diese Rollen wurden in einer Ehrenamtlichen-Werkstatt in der Weststadt durchbohrt, so dass sie mit Fäden oder Stöcken zusammengesteckt oder gebunden werden konnten.

Bei einer Besichtigung des Platzes hatten die angehenden Architekten vor der Aktion schon einmal Kontakt mit der Bevölkerung aufgenommen und auch Infozettel verteilt. „Ich habe so einen Flyer mitgenommen, aber ich wohne in Sichtweite und wir wären auch so dazu gestoßen“, sagte Gülcin Sasmaz, die mit ihrer Schwester Hasret und vor allem den Kindern Cihan und Ayaz fleißig mitbaute. „Wir sind immer dabei, wenn hier etwas los ist“, ergänzte sie, durchaus dankbar für die Abwechslung für sich, ihren Sohn, ihren Neffen und ihre Schwester.

Dankbar für das Projekt, denn leider wird „normalerweise nur fiktiv“ am Reißbrett geplant.

„Eigentlich wird normalerweise eher übereinander als miteinander geredet“, meinte Kathrin Krones, das betreffe auch ihren künftigen Job als Architektin. Die „partizipative Arbeit“ gemeinsam mit den Menschen, die vor Ort wohnen, komme oft zu kurz – auch im Studium. Deshalb war sie über diesen Workshop und den „Einblick in ein soziales Milieu“ sehr dankbar, weil gerade in ihrem Studium „normalerweise nur fiktiv“ am Reißbrett geplant werde.

Auch die Sozialarbeiter Violetta Lenz und Jasmin Kruskic, die mit dem sozialen Projekt „Gesichter des Emsviertels“ die Menschen dort begleiten und ihre Sorgen und Wünsche aufnehmen, registrierten gespannt, wie die Anwohner die Aktion reflektierten und welche Veränderungswünsche diese gegenüber den Studierenden äußerten. „Dieser Workshop ergänzt unseren Ansatz perfekt, obwohl wir heute nur Beobachter sind“, resümierten sie.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder