Mehr als 150 Freiwillige für Braunschweiger Behelfsklinik

Braunschweig.  Corona-Krise: Die Sozialdezernentin freut sich über die große Bereitschaft. Bei Trauungen sind ab sofort keine Trauzeugen mehr zugelassen.

Wer Erfahrungen im medizinischen und pflegerischen Bereich hat, kann sich bei der Stadtverwaltung melden.

Wer Erfahrungen im medizinischen und pflegerischen Bereich hat, kann sich bei der Stadtverwaltung melden.

Foto: Jens Büttner / dpa

In der Stadt sind zurzeit 58 Menschen nachweislich mit dem Corona-Virus infiziert. Fast alle haben nur leichte Symptome und befinden sich zu Hause in Quarantäne. Der Krisenstab der Stadtverwaltung ist weiter mit Hochdruck dabei, ein Behelfskrankenhaus einzurichten. Details dazu sind noch nicht bekannt.

Allerdings gibt es schon jetzt eine große Resonanz auf den Aufruf nach Freiwilligen, die in diesem Behelfskrankenhaus mit anpacken würden. Wie Sozialdezernentin Christine Arbogast am Montag mitteilte, haben sich mehr als 150 Personen gemeldet. Gesucht werden Menschen, die Erfahrung im medizinischen oder pflegerischen Bereich haben. Man werde alles sorgfältig sichten und sortieren, so Arbogast. Sie bittet um ein wenig Geduld bis zur Rückmeldung. Interessierte können sich im Internet registrieren: www.braunschweig.de/corona

Nur eine Person auf zehn Quadratmetern zulässig

Auf Basis der Vorgaben des Bundes und der Länder zum Kontaktverbot hat die Stadtverwaltung am Montag eine weitere Allgemeinverfügung veröffentlicht. Sie regelt im Detail, welche Geschäfte und Betriebe unter welchen Bedingungen geöffnet bleiben und welche Dienstleistungen weiterhin angeboten werden können.

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Hier noch einmal die wichtigsten Punkte: In der Öffentlichkeit ist ein Mindestabstand von 1,50 Meter zu anderen Menschen einzuhalten. Das gilt auch in Geschäften – auf zehn Quadratmetern ist jeweils nur eine Person zulässig. Draußen dürfen maximal zwei Menschen zusammen unterwegs sein, es sei denn, es handelt sich um Personen, die in einer gemeinsamen Wohnung leben.

Öffnen dürfen weiterhin Lebensmittelgeschäfte, Wochenmärkte, Abhol- und Lieferdienste, Getränkemärkte, Großhandel, Tierbedarfsmärkte, Brief- und Versandhandel, Post, Banken, Sparkassen und Geldautomaten, Tankstellen, KFZ- und Fahrradwerkstätten, Reinigungen, Zeitungsverkauf, Waschsalons, Apotheken, Sanitätshäuser, Drogerien, Optiker, Hörgeräteakustiker.

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Untersagt sind Dienstleistungen von Friseuren, Tattoo-, Nagel- und Kosmetikstudios sowie Physiotherapie-Praxen (es sei denn, eine Behandlung wird durch ärztliche Bescheinigung als unaufschiebbar erklärt).

Beerdigungen dürfen nur im engsten Familienkreis stattfinden. Zudem teilt das Standesamt mit, dass bei Trauungen keine Trauzeugen mehr zugelassen sind.

Sozialdezernentin Arbogast lobt, dass sich nun doch ganz spürbar die meisten Menschen an die Vorgaben hielten. Auch die Hilfsbereitschaft sei sehr groß, so Arbogast. „Die Stadt ist sehr solidarisch unterwegs.“ Sie appelliert an alle, auch dann fair und rücksichtsvoll miteinander umzugehen, wenn ein Mensch mit dem Corona-Virus infiziert sei. Dies könne jedem passieren, betont sie.

Verunsicherung nach Musical in der Stadthalle

Zu Verunsicherung führte am Wochenende die Nachricht, dass in Wolfenbüttel unter anderem rund 1400 Schüler unter häusliche Quarantäne gestellt wurden. Der Landkreis begründete dies damit, dass eine Lehrerin am 6. und 7. März am Martin-Luther-King-Musical mit 600 Teilnehmern in Braunschweig teilgenommen hatte. Zwei weitere Mitsänger seien positiv auf das Corona-Virus getestet worden. Auch die Lehrerin habe typische, aber leichte Erkrankungserscheinungen gezeigt, ebenso eine weitere Lehrkraft. Zudem sei bei einer direkten Verwandten einer dieser Lehrkräfte das Corona-Virus nachgewiesen worden.

Etlichen drängte sich daher die Frage auf, ob weitere Teilnehmer des Musicals betroffen sein könnten. Dazu sagte Stadtsprecher Rainer Keunecke: „In Braunschweig ist keine Infektionskette bekannt, die auf das Festival verweisen würde. Wir haben mit der Veranstaltungsleitung des Festivals telefoniert. Diese hatte bereits am vergangenen Mittwoch nach einem Anruf durch das Gesundheitsamt Salzgitter alle Chorleitungen angeschrieben. Niemand anderes hat sich seitdem bei der Veranstaltungsleitung gemeldet.“

Mittlerweile sei das Konzert mehr als zwei Wochen her. „Die Inkubationszeit für die Coronakrankheit dauert üblicherweise nicht länger als diesen Zeitraum“, so Keunecke. „Die Zuschauer des Konzerts hatten einen Abstand zu den Chören, der weit über das im täglichen Umgang empfohlene Maß hinausgeht. Aus unserer Sicht ist einstweilen in Braunschweig nichts Weiteres zu veranlassen.“

Eine 64-jährige aus dem Kreis Gifhorn teilte unserer Zeitung gestern mit, dass sie ebenfalls als Sängerin bei der Veranstaltung gewesen sei – und dass sie vermutet, sich dort mit dem Corona-Virus infiziert zu haben. Denn drei Tage später habe sie Fieber bekommen, Kopfschmerzen, trockenen Husten, eine verstopfte Nase ohne richtigen Schnupfen, Atemprobleme, zeitweise sehr niedrigen Blutdruck und nach etwa einer Woche absoluten Geruchs- und Geschmacksverlust. Sie habe sich daraufhin in freiwillige Quarantäne begeben. Vermutlich habe sie dann auch noch ihren Mann angesteckt, berichtet sie, der die gleichen Symptome hatte wie sie.

„Inzwischen geht es uns wieder besser. Wir befinden uns aber weiterhin in Quarantäne“, berichtet sie. Ob es sich tatsächlich um das Corona-Virus gehandelt hat, ist offen, da sich weder die Frau noch ihr Mann beim Arzt gemeldet haben. Warum nicht? „Weil wir schon von anderen Leuten gehört hatten, die sich testen lassen wollten, aber abgewiesen wurden, weil sie weder Kontakt zu Infizierten hatten, noch aus einem Risikogebiet kamen. Das wäre uns dann ja auch so gegangen.“ Sie und ihr Mann wollen weiterhin in Quarantäne bleiben, bis alle Symptome komplett verschwunden sind. Sie ist überzeugt, dass es sich angesichts der recht eindeutigen Symptome um das Corona-Virus gehandelt hat.

Der Veranstalter des Musicals teilte am Montag mit, dass die Ansteckung der positiv getesteten Personen nach allen Erkenntnissen nicht bei dieser Veranstaltung stattgefunden habe. Die Gründe: Bis auf zwei Personen aus Wolfenbüttel seien alle bekannten Infizierten Mitglieder nur eines Chores aus Salzgitter. Diese hätten sich am Sonntag danach bei einem Gottesdienst gesehen und gemeinsam gesungen, ferner habe es gemeinsame Kontakte bei einer Chorprobe am Dienstag danach gegeben. Und ein Chormitglied sei an Orten gewesen, an denen sich nachweislich Personen angesteckt haben. „Daher vermuten wir hier den Ursprung.“ Außerdem habe sich bislang niemand sonst als krank oder als infiziert gemeldet.

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