Der Grünpfeil – aussterbende Schilderart in Braunschweig

Braunschweig.  Den umstrittenen Rechtsabbieger-Pfeil gibt es noch an elf Stellen in der Stadt. An der Borsigstraße wurde er jetzt entfernt.

Zu gefährlich: An der Borsigstraße wurde der Grünpfeil entfernt.

Zu gefährlich: An der Borsigstraße wurde der Grünpfeil entfernt.

Foto: Norbert Jonscher

Verwunderung an der Borsigstraße. Der grüne Pfeil ist weg! Bei der Ausfahrt auf die Salzdahlumer Straße habe es bis vor kurzer Zeit einen grünen Rechtsabbiegerpfeil gegeben, meldet ein Nutzer im Internet-Portal „Alarm 38“ unserer Zeitung. Nun sei er weg. Ob es einen Grund dafür gebe?

Zu dieser Frage ist im Internet eine Grundsatzdebatte über den Grünpfeil (so die offizielle Bezeichnung) entbrannt, der erst 1994 in die Straßenverkehrsordnung eingeführt wurde und von dem es inzwischen aber immer weniger in den Städten gibt. In Braunschweig sind es laut Stadtverwaltung nur noch ganze elf. Nicht ohne Grund. Ein Nutzer („Rot ist Rot“) meint dazu: „Der Grüne Pfeil mag vor 40 Jahren in der DDR bei geringer Verkehrsdichte einen Sinn gehabt haben. Ich halte es für einen groben Fehler, dass dieser überhaupt bei uns eingeführt wurde, und ich hoffe, dass dieser an der Autobahnabfahrt Höhe Berufsschule Richtung Rautheim auch noch verschwindet, das ist eine weitere Gefahrenstelle.“

Ein anderer bemerkt: Ignorante Kfz-Führer, die die Regeln missachtet und Radfahrer/Fußgänger gefährdet haben, seien der Grund. „Grünpfeil heißt: Stopp an der Haltelinie, vorsichtig in die Kreuzung tasten und nur abbiegen, wenn frei. Aber das kapiert keiner, daher abgebaut!“

Was sagt die Stadt?

Man habe nach Hinweisen gemeinsam mit der Polizei eine Überprüfung des Verkehrszeichens vorgenommen. Nach der Straßenverkehrsordnung (StVO) komme der Einsatz des Grünpfeils nur in Betracht, wenn der Rechtsabbieger den Fußgänger- und Fahrzeugverkehr ausreichend einsehen kann. Tatsächlich sei der hierzu nötige Überblick an der Haltelinie nicht gegeben. Deshalb komme es häufig zu einer Blockierung der Fußgänger- und der Radwegefurt durch anhaltende Fahrzeuge.

Zudem sei es so, dass der stadteinwärts führende Radweg an der Salzdahlumer Straße in erheblichem Umfang verbotswidrig in Gegenrichtung befahren werde. Kurzum, deshalb sei hier die Aufstellung eines grünen Rechtsabbiegerpfeils nicht zulässig. Deshalb sei der Pfeil jetzt entfernt worden.

Wie funktioniert der Pfeil?

In der Deutschen Demokratischen Republik wurde der Grünpfeil bereits 1978 eingeführt, allerdings ohne Anhaltepflicht. Zuvor war in der DDR das Rechtsabbiegen bei Rot generell erlaubt gewesen.

Seit dem 1. März 1994 ist der Grünpfeil nun auch Bestandteil der bundesdeutschen Straßenverkehrsordnung. Studien zeigen indes, dass 77 Prozent der Autofahrer die Pflicht zum Anhalten an der Haltelinie missachten – was mit einem Punkt in der Verkehrssünderkartei und einer Geldbuße von 70 Euro belegt ist. Bei Behinderung bzw. Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer steigt das Bußgeld auf bis zu 150 Euro.

Grünpfeil für Radfahrer?

Das Bundesverkehrsministerium prüft derzeit, ob auch für Radfahrer das Rechtsabbiegen an roten Ampeln durch ein neu einzuführendes Verkehrszeichen erlaubt werden soll. Dazu findet aktuell ein Pilotversuch an insgesamt 40 signalisierten Kreuzungen in den Städten Bamberg, Darmstadt, Düsseldorf, Köln, Leipzig, München, Münster, Reutlingen und Stuttgart statt.

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