Braunschweig-Weststadt – Was ist „Campus Donauviertel“?

Braunschweig.   Mit 5,1 Millionen Euro soll in den nächsten Jahren eine neue Struktur in dem Braunschweiger Weststadt-Quartier entstehen.

Maria Porzig (links), Leiterin des Kulturpunkts West (KPW), und Jennifer Huchel, Leiterin des Kinder- und Teeny-Klubs Weiße Rose, auf der Terrasse des KPW mit Blick auf den Garten hinter dem Haus. Im Hintergrund ist ein Mittelalter-Feriendorf zu sehen. Der Neubau der Weißen Rose ist in dem Wald hinter dem Platz geplant.

Maria Porzig (links), Leiterin des Kulturpunkts West (KPW), und Jennifer Huchel, Leiterin des Kinder- und Teeny-Klubs Weiße Rose, auf der Terrasse des KPW mit Blick auf den Garten hinter dem Haus. Im Hintergrund ist ein Mittelalter-Feriendorf zu sehen. Der Neubau der Weißen Rose ist in dem Wald hinter dem Platz geplant.

Foto: Karsten Mentasti

Von der Terrasse hinter der soziokulturellen Einrichtung Kulturpunkt West (KPW) in der Weststadt lässt sich auf zwei Ebenen hervorragend auf den Garten des Hauses blicken, ein Ort, der bisher noch allzu oft ungenutzt ist. Doch in der vergangenen Woche tobte dort das Leben, weil Kinder an einem gemeinsamen Ferienprojekt des KPW mit dem Kinder- und Teeny-Klub Weiße Rose das Leben von Rittern und Mönchen nachahmten.

In Zukunft könnte dort, wo sich jetzt der abgeschirmte Garten mit einer Rasenfläche und einer leicht erhöhten Holzbühne befindet, ein öffentlicher Platz entstehen, ein Treffpunkt der Generationen. Möglich wird das im Zuge der aktuellen Neugestaltung des Donauviertels, finanziert über das Städtebau-Förderprogramm „Soziale Stadt“.

Der begriff „Campus“ muss sich erst noch durchsetzen

Von dieser Terrasse des KPW lässt sich bei Projekten wie „Mittelalter erleben – Geschichte begreifen“, so das Motto der einwöchigen Ferienaktion, schon vorausahnen, wie lebendig so ein Platz sein könnte. Doch ein paar Jahre wird es noch dauern, bis so ein öffentlicher Raum südöstlich des Kulturpunktes West entstehen kann. Stadtplaner sprechen dabei vom „Campus Donauviertel“ – ein Begriff, der sich in der Bevölkerung sicherlich noch durchsetzen muss.

Zunächst aber wird hinter dem Garten, auf einer kleinen, bisher ungenutzten Waldfläche, der bereits beschlossene Neubau des Kinder- und Teenyklubs (KTK) Weiße Rose realisiert. Rote Pfähle zeigen auf dem Gelände schon an, wo das neue Gebäude stehen wird. Es soll „in die Landschaft integriert werden“, heißt es.

Das Geld für den Neubau, rund 2,5 Millionen Euro, wurde schon 2017 bereitgestellt, und stammt zu 90 Prozent aus einem Förderprogramm „Investitionspaket Soziale Integration“ von Bund und Land, zehn Prozent gibt die Stadtverwaltung dazu. Das Geld wird zusätzlich ausgeschüttet für spezielle Vorhaben im Fördergebiet Soziale Stadt.

Neben dem Neubau des KTK werden aus dem Fördertopf auch noch zwei Quartiersmanager finanziert, die in Person von Anna Bruhl und Caroline Lehnigk bereits seit vergangenem Jahr im Donauviertel der Weststadt aktiv sind sind.

Die Weiße Rose ist so etwas wie ein Jugendzentrum speziell für Kinder, es gibt eine feste Gruppe der Schulkindbetreuung mit 40 Kindern und darüber hinaus ein offenes Angebot für Mädchen und Jungen vornehmlich aus dem Quartier.

Erst wenn der Neubau fertig ist – der Baubeginn soll möglichst 2020 beginnen, es ist mit einer Bauzeit von anderthalb Jahren zu rechnen – kann der Kinder- und Teenyklub aus seinen auf zwei Geschosse des Kulturpunkts West verteilten Räumen ausziehen. Und dann wird mit der Sanierung und Modernisierung des Kulturpunkts begonnen. Die Finanzierung steht.

Braunschweig erhält größten Einzelposten aus dem Fördertopf

Denn wie das Land vor einer Woche mitgeteilt hat, wurde Braunschweig aus demselben Investitionspaket für den Projektzeitraum ab 2019 erneut eine hohe Summe gewährt, um nach dem Neubau des KTK das Gebäude des Kulturpunkts West auf Vordermann zu bringen. Unter 20 Einzel-Maßnahmen im Land erhält Braunschweig für die Sanierung des KPW mit 2,268 Millionen Euro sogar den größten Einzelposten. Zusammen mit der Beteiligung der Stadt in Höhe von 375.000 Euro stehen also 2,625 Millionen Euro zur Verfügung, für beide Maßnahmen zusammen also rund 5,1 Millionen Euro.

Der KPW vergrößert dann seine Aktionsfläche um die Räume des KTK, so dass nach der Sanierung zusätzlicher Platz für Gruppen zur Verfügung steht, die es im Weststadt-Quartier Donauviertel schon gibt oder die sich in den nächsten Jahren noch bilden.

Im Gegensatz zum Weststadt-Quartier Ilmweg, wo die Baugenossenschaft Wiederaufbau den Bewohnern mit großem finanziellen Aufwand das Nachbarschaftszentrum „Haus der Talente“ als Begegnungsstätte geschenkt hat, stehen also im Donauviertel mit dem Kulturpunkt West, dem früheren Kasernen-Empfangsgebäude des Flughafens Broitzem, bereits Räumlichkeiten für künftige Aktivitäten und Begegnungen der Bewohner zur Verfügung. Zumindest dann, wenn die KPW-Sanierung beendet ist.

„Ob wir uns in einem Stadtteil wohlfühlen, hängt maßgeblich vom Wohnumfeld und von der vorhandenen Wohn-Infrastruktur ab“, erklärte Landes-Bauminister Olaf Lies jetzt. Mit dem Kulturpunkt West und dem Kinder- und Teeny-Klub Weiße Rose stehen im Donauviertel zwei städtische Einrichtungen in den Startlöchern, um die Infrastruktur zu optimieren.

Schon jetzt sind die Leitungen von KTK und KPW in engem Austausch, das Mittelalter-Ferienprojekt, bei dem auch noch der Verein Tiny Tots mit ins Boot geholt wurde, war nur ein Anfang. „Wir wollen nicht erst warten, bis Neubau und Sanierung beendet sind“, sagen Jennifer Huchel von der Weißen Rose und Maria Porzig vom Kulturpunkt West, „sondern jetzt schon gemeinsame Angebote für die Bewohner des Donauviertels entwickeln.“ Das können Pflanzen-Tauschtage sein oder Beratungsangebote.

Enger Kontakt zu Eltern und Kindern aus dem Donauviertel

Insbesondere der Kinder- und Teeny-Klub pflegt schon jetzt enge Kontakte zu Eltern aus dem Quartier und ist damit für Stadtverwaltung, Vereine und Quartiersmanager ein wichtiger Multiplikator, um die Menschen zu erreichen und sie zum Mitmachen bei den Planungen für „ihren“ Stadtteil zu beteiligen.

Wenn Neubau und Sanierung beendet sind, soll der Garten des Kulturpunkts in einen Platz der Begegnung umgewandelt werden, der von Alt und Jung genutzt werden kann und abends nicht abgeschlossen wird. Dazu sollen zu gegebenem Zeitpunkt noch weitere Fördertöpfe angezapft werden.

Zusammen mit den Gebäuden des Kinder- und Teeny-Klubs und des KPW wäre das dann der „Campus Donauviertel“.

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