Magni-Bäckerei Fucke schließt Ende April

Braunschweig.  Innungs-Obermeister Karsten Fucke, der letzte backende Bäcker in der City, gibt seinen Betrieb auf.

Ende April ist Schluss: Bäckermeister Karsten Fucke mit Ehefrau Susanne.

Ende April ist Schluss: Bäckermeister Karsten Fucke mit Ehefrau Susanne.

Foto: Norbert Jonscher

Er ist der letzte backende Bäckermeister in der Innenstadt. Doch Ende April ist Schluss. Karsten Fucke (60) wirft das Handtuch – aus personellen, aber auch aus gesundheitlichen Gründen, wie er sagt. Nach fast 60 Jahren schließt die traditionsreiche Magni-Bäckerei in der Kuhstraße am 30. April.

Verabschieden von seinen treuen Kunden will sich das Fucke-Team mit einem kleinen Empfang am Donnerstag, 2. Mai, von 11 bis 14 Uhr.

Die Entscheidung sei ihm nicht leicht gefallen, sagt Fucke, aber es fehle ihm zum einen an qualifiziertem Personal. Zum anderen sei er selbst gesundheitlich angeschlagen und nicht mehr in der Lage, täglich von 2.30 bis 12 Uhr in der Backstube zu stehen, um Brot, Brötchen und andere Backwaren herzustellen.

Fucke in der Kuhstraße – die letzte Backstube in der Innenstadt. Früher, in seiner Kindheit, blickt der 60-Jährige zurück, habe es in Braunschweig praktisch an jeder Straßenecke einen backenden Bäcker gegeben. „Allein hier im Magniviertel waren es vier.“ Überlebt hätten zuletzt nur Homann am Steinweg und er. Nun das Aus.

Am Umsatz habe es nicht gelegen , der sei sehr okay gewesen, erklärt der 60-Jährige. Aber er wolle jetzt kürzer treten.

Gegründet wurde die Bäckerei 1920 durch Kurt Fucke und Ehefrau Luise. In Groß Ujeschütz im heutigen Polen unterhielt die Familie eine Müllerei und eine Landwirtschaft, wie man auf der Firmen-Homepage nachlesen kann. Durch die Flucht vor der russischen Armee in den letzten Kriegstagen habe die Familie 1945 die Bäckerei aufgeben müssen und sei wie viele andere nach Westen gezogen.

In den Nachkriegsjahren arbeitete Fucke dann als Geselle in verschiedenen Braunschweiger Bäckereien. Sohn Helmut beendete in dieser Zeit seine Ausbildung zum Bäcker. 1952, in den Jahren des Wirtschaftsaufschwungs, machte sich Kurt Fucke wieder selbstständig und eröffnete eine Pachtbäckerei am Wendenring. Schon ein Jahr später machte Sohn Helmut seine Meisterprüfung und eröffnete am 1. September 1960 mit Ehefrau Ilse die Bäckerei in der Kuhstraße 32, auf eigenem Grund und Boden.

Bis in die dritte Generation setzte sich die Tradition fort, als 1975 Sohn Karsten die Bäckerausbildung begann. 1981 erhielt Karsten seinen Meisterbrief. 1985, als Helmut Fucke starb, wurde der Betrieb von Ehefrau Ilse und Sohn Karsten fortgeführt, 1991 übernahmen Karsten und Ehefrau Susanne.

„In dieser Zeit wurde die Bäckerei um einen größeren Backofen und eine Mehlsiloanlage erweitert“, blickt Fucke zurück. Es folgten weitere Modernisierungen, so zum Beispiel 1983 eine Vergrößerung der Produktionsfläche. 1984 wurde die Verkaufsfläche vergrößert und die Ladeneinrichtung erneuert.

Stammkunden werden Fuckes Mohn-Spezialitäten vermissen: die schlesischen Mohnkranzkuchen nach Opas Originalrezept, die Mohnsemmel, Mohntorten, Mohnkugeln und Mohnstreifen. Und alljährlich zu Weihnachten den Butter-Mohnstollen.

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