Binnen 140 Minuten waren 27 Bäume der Jasperallee gefällt

Braunschweig.  Unter Protesten hat die Stadt an der Jasperallee 27 Bäume fällen lassen. Die Polizei rückte mit einem Dutzend Einsatzwagen an.

Binnen kürzester Zeit wurden die Bäume der Jasperallee gefällt.

Binnen kürzester Zeit wurden die Bäume der Jasperallee gefällt.

Foto: Jörn Stachura / JS

Am Ende ging es schnell. Binnen 140 Minuten waren Donnerstagfrüh 27 Bäume der Jasperallee gefällt. Unter lautstarkem, aber absolut friedlichem Protest von etwa 20 Baumschützern.

Bereits gegen 4 Uhr wurde die Jasperallee zwischen Ring und Theater gesperrt. Die Polizei rückte in einem Dutzend Einsatzwagen an. Unter den etwa 100 Beamten auch Kräfte der Bereitschaftspolizei. Zwischen Moltke- und Kasernenstraße wurde ein Metallzaun aufgestellt, der die Mittelinsel mit den Bäumen umschloss. Von drei Hubwagen aus wurden erst die Kronen der Bäume abgeschnitten und dann die Stämme gefällt.

Um 8.20 Uhr fiel der letzte Baum. Wie die Bürgerinitiative Baumschutz angekündigt hatte, verlief der Protest friedlich . Dies bestätigte auch die Einsatzleitung der Polizei. Sprecher Stefan Weinmeister: „Die Beamten hatten absolut keinen Grund zum Eingreifen. Es mussten lediglich elf Autos abgeschleppt werden, die im absoluten Halteverbot parkten und die Arbeiten behinderten.“

Tränen bei den Baumschützern

Bei Mitgliedern der Baumschutz-Initiative flossen Tränen. Edmund Schultz, einer der Sprecher der Initiative, sprach von einem „schweren Tag“. Seit dem 19. Februar 2018 hatte er alle Hebel in Bewegung gesetzt, das Fällen der Bäume zu verhindern.

Schultz kritisierte, dass sich die Ratsfraktionen dem Dialog mit der Initiative entzogen hätten. Wünsche nach Gesprächen mit der Initiative seien nicht angenommen worden. Schultz kündigte an, dass die Bürgerinitiative sich weiter für die verbliebenen Bäume auf der Jasperallee einsetzen werde. Er sagte auch: „Unser eigentliches Ziel ist eine Baumschutzsatzung und mehr Grün für Braunschweig. Der Einsatz für die Bäume der Jasperallee hat Kräfte gebunden, die wir lieber an anderer Stelle eingesetzt hätten.“

Bürgerinitiative distanziert sich von „Lügenpresse“-Rufen

BIBS-Ratsherr Peter Rosenbaum machte Stadtbezirksrat, Rat der Stadt, Stadtverwaltung, Gutachter und Denkmalschutz dafür verantwortlich, dass die Bäume gefällt wurden. Der Rat habe „unverantwortlich“ gehandelt. Nach Rosenbaums Auffassung herrsche zudem Brut- und Setzzeit. Die Bäume hätten aus rechtlichen Gründen nicht gefällt werden dürfen , meint er. Die Brut- und Setzzeit beginnt allerdings erst am 1. März. Vier der etwa 20 Demonstranten skandierten „Lügenpresse“. BI-Sprecher Schultz distanzierte sich: „Auf unseren Veranstaltungen wollen wir keine Nazi-Rufe.“

Jasperallee in den Morgenstunden für die Baumfällung gesperrt

Bei der Fällung geht es nach Plan zunächst um den Abschnitt zwischen Moltkestraße und Kasernenstraße. Es kam allerdings zu Komplikationen im Straßenverkehr. Die Jasperallee wurde in den Morgenstunden zwischen Theaterumfahrt und Kasernenstraße in beiden Richtungen gesperrt. In die Kasernenstraße konnte aus Richtung Ring noch zugefahren werden. Des Weiteren war es möglich, die Moltkestraße über die Bismarckstraße durch Kreuzen der Jasperallee zu verlassen. Für den Durchgangsverkehr der Jasperallee war ein Ausweichen über Fallersleber Straße sowie Museumstraße/Georg-Eckert-Straße empfohlen worden.

Fußgänger konnten die Jasperallee an diesem Tag nutzen. Radfahrer konnten die Straße passieren, mussten in dem beschriebenen Abschnitt allerdings den Gehweg nutzen und daher schieben.

Die Bürgerinitiative Baumschutz musste ihre Mahnwache aus dem Bereich der Fällungen verschieben.

Busse wurden umgeleitet

Die Busse der Linien 230, 411, 416, 418, 422 und 443 wurden in beiden Richtungen ab Staatstheater über Museumstraße, Helmstedter Straße und Kastanienallee umgeleitet. Die Haltestelle Jasperallee stadteinwärts sowie die Haltestelle Kasernenstraße in beiden Richtungen konnten nicht bedient werden. Fahrgäste wurden gebeten, ersatzweise die Haltestelle Jasperallee auf dem Altewiekring zu nutzen und auf die Durchsagen in den Fahrzeugen und die Hinweise an den Haltestellen zu achten. Da die Buslinie 411 in beiden Richtungen über die Kastanienallee fährt, konnte sie die Haltestellen Jasperallee und Kasernenstraße in beiden Fahrtrichtungen nicht bedienen. Die Haltestelle Kastanienallee in Richtung Rathaus wurde in die Kastanienallee, Haltestelle der 413, verlegt.

Neue Bäume sind 25 Jahre alt

Die Fällungen sollten nach einem Tag abgeschlossen sein. Die Stadt plant, bis Ende März 28 junge Winterlinden zu pflanzen, und zwar mit einer Größe von fünf bis sieben Metern und einem Alter von 25 Jahren. „Normalerweise würden wir etwas kleinere und noch jüngere Bäume pflanzen“, sagt Gründezernent Christian Geiger laut einer Pressemitteilung. „Hier sind es bewusst solche, die im Wachstum schon fortgeschritten sind, damit sie möglichst schnell eine alleeprägende Größe erreichen.“ Winterlinden werden ihm zufolge von Experten ausdrücklich für den Straßenraum empfohlen, weil sie stressresistent gegen die Belastungen des Straßenverkehrs seien.

Die neuen Bäume kommen aus einer Baumschule in Bad Zwischenahn und werden vom Fachbereich Stadtgrün und Sport in der nächsten Woche ausgewählt, kündigte Geiger an.

Der Boden wird ausgetauscht

Nach den Fällungen werden der Stadt zufolge zunächst die Stümpfe entfernt und der Boden großräumig ausgetauscht. Auf jeder Seite werde jeweils ein 2,30 Meter breiter Streifen in einer Tiefe von 1,50 Meter mit neuem Substrat aufgefüllt. „So erhalten die Bäume optimale Entwicklungsbedingungen und werden viel besser und vor allem nachhaltiger wachsen und gedeihen können als frühere Nachpflanzungen“, so Geiger. Es sei an vielen Stellen im Stadtgebiet so, dass Bäume auf schlechtem Untergrund stünden, in der Jasperallee seien die Nachteile für das Wachstum allerdings besonders einschneidend.

Geiger: Am Ring ist man ähnlich vorgegangen

Auf dem Ring in Höhe Husarenstraße sei vor einigen Jahren ganz ähnlich verfahren worden. Auch damals sei vor dem Einpflanzen der jungen Bäume neuer Boden eingefüllt worden. „Die neuen Linden haben sich dort sehr gut entwickelt.“

Auf der Jasperallee habe die Stadt bewusst vor einigen Jahren aufgehört, Bäume zu ersetzen, weil es nicht nachhaltig gewesen sei. „Wir tun weder dem Stadtklima noch dem Erscheinungsbild der denkmalgeschützten Jasperallee einen Gefallen, wenn wir weiter immer nur einzelne Bäume rausnehmen, weil sie trotz aller Anstrengungen schließlich nicht mehr überlebensfähig sind“, erläutert Geiger.

Und weiter: „Diese Situation ist unbefriedigend, und wird sich ohne einen echten Neustart immer weiter verschlechtern. Angesichts der bei einem Sturm völlig überraschend dutzendfach gestürzten Bäume am Hagenmarkt wäre es doch ,der Jasperallee nicht zu handeln, jetzt, da gutachterlich belegt ist, wie der Zustand der Bäume und des Bodens ist. Wir wollen stattdessen eine Jasperallee mit jungen, gesunden Bäumen, die dort in den nächsten Jahrzehnten gut und sicher wachsen können. Ich verstehe, dass das Fällen von Bäumen zurecht hinterfragt wird und nur aus guten Gründen geschehen sollte. Doch ich bin mir sicher, dass die neuen Bäume schon bald nach ihrer Pflanzung genauso akzeptiert werden wie die erfolgreichen Neupflanzungen am Ring.“

Stadt: Vorgehen wird vom Gutachter so empfohlen

Die Stadtverwaltung verwies am Dienstag noch einmal darauf, dass das Vorgehen vom Gutachter ausdrücklich als empfehlenswert und nachhaltig bezeichnet worden sei. „Es irritiert, dass von manchen dennoch gleichsam alles öffentlich in Frage gestellt wird – die Bewertung durch zuständige Behörden und externe Gutachter, das Verfahren, die Kommunikation und sogar die persönliche Integrität der verantwortlich Handelnden“, heißt es in der Pressemitteilung.

Geiger weiter: Es gebe sehr vernünftige und intensiv über viele Monate abgewogene Gründe, systematisch vorzugehen und dieser Einschätzung seien Stadtbezirksrat, Fachausschüsse und abschließend der Rat mit deutlichen Mehrheiten gefolgt. „Insofern wundern wir uns sehr, dass einige, die ihre direktdemokratischen Verfahrensrechte ganz besonders einforderten, meinen, ein solcher demokratisch legitimierter Beschluss gewählter Volksvertreter werde nicht akzeptiert, wenn er nicht zum gewünschten Ergebnis führt.“

Nach derzeitiger Planung sollen die beiden weiteren Abschnitte der Jasperallee in den Jahren 2020 und 2021 analog dem jetzigen Vorgehen erneuert werden.

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