Anderson und Kulawick sorgen für die Wende

Braunschweig  Phantoms sichern sich nach schwacher erster Hälfte in letzter Minute den 77:75-Sieg gegen Ludwigsburg.

Jermaine Anderson hat den Blick für den klugen Pass.

Foto: Agentur Hübner

Jermaine Anderson hat den Blick für den klugen Pass. Foto: Agentur Hübner

Wie groß der Brocken war, der den Mitspielern und den Phantoms-Verantwortlichen am Samstagabend von der Seele fiel, konnte Jermaine Anderson wahrscheinlich noch gar nicht richtig einschätzen. „Ich bin sehr glücklich, dass wir gewonnen haben und dass ich etwas dazu beitragen konnte“, sagte der kanadische Neuzugang, der bei seiner Heim-Premiere den Siegkorb erzielt hatte.

So konnten Braunschweigs Basketballer mit dem hauchdünnen 77:75 (20:33)-Erfolg gegen Ludwigsburg gerade noch eine erneute Heimblamage gegen eine Mannschaft aus dem Tabellenkeller vermeiden, mit der sie ihre Fans sicherlich auf längere Sicht mächtig vergrätzt hätten.

Völlig unerklärlich nach den zuletzt konzentrierten Leistungen, hatten die Phantoms ganz schwach begonnen und damit wieder einen Gegner richtig aufgebaut. „Wir haben Fehler gemacht, die uns schon lange nicht mehr passiert sind“, wunderte sich Kapitän Nils Mittmann über den ideenlosen, statischen Auftritt mit haarsträubenden Ballverlusten und rügte: „Unser Spiel war zerfahren, und uns hat der Biss gefehlt.“

Als Erklärung fanden Trainer Kostas Flevarakis und Sportdirektor Oliver Braun den Druck des Gewinnenmüssens, mit dem ihre Schützlinge in eigener Halle einfach nicht zurechtkommen. So verdiente sich Immanuel McElroys Tochter Kira nach den ersten 20 Minuten den größten Applaus, als sie den 3546 Zuschauern ein Weihnachtslied sang.

Doch die Phantoms fanden den Hebel und kamen mit neuer Entschlossenheit aus der Kabine. Mit hautenger Verteidigung über das gesamte Spielefeld legten sie los, ließen den Ball viel schneller und einfallsreicher laufen und attackierten den Korb. Der Lohn: Freie Würfe und endlich auch Treffer. 57 Prozent ihrer Schüsse saßen nun, in Hälfte eins waren es nur 25 Prozent gewesen.

Mehrfach arbeitete sich das Team auf zwei Zähler Differenz heran (43:45, 27. und 62:64, 35.). Doch die Gäste hielten zunächst stark dagegen, zogen nochmal auf elf (31.) und später auf acht Punkte (62:70, 37.) weg. Die Wende gelang erst gegen Ende. Nachdem lange Zeit Dennis Schröder und Eric Boateng den Angriff nahezu allein getragen hatten, übernahmen nun Robert Kulawick und Anderson vorne die Verantwortung. Aber auch McElroy und Harding Nana, die die letzten sechs Minuten als „kleine“ Spieler wieder die großen Positionen besetzten und somit für noch mehr Verteidigungsdruck sorgten, setzten wichtige Akzente. „Es war nur eine Frage der Zeit, wann wir sie einholen“, meinte Kulawick, der zweite Matchwinner neben Anderson. Trotzdem blieb offen, ob dieser Zeitpunkt noch vor der Schlusssirene erreicht sein würde.

Nach dem 49:60-Zwischenstand (34.) traf Kulawick drei Dreier, und in den letzten zwei Minuten zeigte dann Anderson seine Qualitäten. Mit zwei Halbdistanztreffern führte er das Team heran, und 19 Sekunden vor Schluss saß sein Dreier zum 76:75 – die erste Phantoms-Führung seit den Auftaktpunkten.

„Er hat diese Persönlichkeit, um Spiele zu entscheiden, deshalb haben wir ihn geholt“, sagte Flevarakis erleichtert und lobte sein Team für die Aufholjagd gegen einen keinesfalls schwachen Gegner. Für Anderson war der Siegtreffer erstmal das Happy-End einer schweren Partie. Die ersten Viertel habe er gebraucht, um ins Spiel seines neuen Teams zu finden. „Ich musste viel mehr nachdenken als normal, zumal ich gleich zwei Positionen lerne.“ In den Schlussminuten sei er dann bereit gewesen für die wichtigen Punkte.

Beinahe hätte das trotzdem nicht gereicht. Erst nach dem Ballgewinn Kulawicks, seinem Freiwurftreffer vier Sekunden vor Schluss und einem verworfenen freien Dreier von Ludwigsburgs Joshua Jackson mit der Sirene durfte gejubelt werden.

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