Wolfenbüttel

Seismische Messungen rund um Asse II

Wissenschaftler erhoffen sich bessere Kenntnisse über das Deckgebirge – Grundstücke müssen betreten werden

Karl-Ernst Hueske

REMLINGEN. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) will rund um das Atommüll-Lager Asse II seismische Messungen durchführen, um die Kenntnisse über die Schachtanlage zu verbessern.

Über diese Messungen informierte das Bundesamt auf einer vom BfS-Pressesprecher Werner Nording moderierten Informationsveranstaltung im Remlinger Dorfgemeinschaftshaus. An dieser Sitzung nahmen neben Dirk Laske (Fachgebietsleiter Asse-Stilllegung beim BfS) und der Fachberaterin Hui Ding Tobias Karp und Bernd-Michael Schulze von der Gesellschaft für geowissenschaftliche Dienste Leipzig teil. Diese Gesellschaft wurde vom BfS mit der Vorplanung dieser Messungen beauftragt.

Nur im Winterhalbjahr

Die Messungen werden etwa drei Monate dauern, können aber laut Laske wegen des Naturschutzes nur im Winterhalbjahr durchgeführt werden. Das rief den Widerspruch von Vertretern der Feldgenossenschaft auf den Plan. Sie befürchteten durch die Vibrationsfahrzeuge Schäden an ihren Flächen, wenn im Winter die Böden nicht gefroren, sondern nur matschig sind.

Für die Messungen werden sogenannte Vibrationsfahrzeugen eingesetzt, die mit Metallplatten Schallwellen im Untergrund erzeugen, die dann von Geophonen wie mit einem Mikrophon aufgenommen werden, erklärte Tobias Karp den Messvorgang. In unzugänglichen Gebieten werde auch Sprengstoff eingesetzt.

Durch die anschließende geophysikalische Auswertung und Modellierung erhalten die Experten eine dreidimensionale Abbildung der geologischen Schichten, die erheblich detaillierter ist, als die zweidimensionalen Messungen, die 1997 der damalige Betreiber in der Asse-Region bereits durchgeführt hatte.

Mit Hilfe dieser räumlichen Abbildung kann der geologische Aufbau des Deckgebirges genauer bestimmt werden. Es werden Informationen zur Lage von Schichten, Störungen oder Verwerfungen gewonnen und es gibt eine lagegetreue Abbildung der unterirdischen Strukturen, erläuterte der Fachgebietsleiter Asse-Stilllegung.

Die Daten sollen in einem 18 Quadratkilometer großen Gebiet im Raum Wittmar, Mönchevahlberg, Groß Vahlberg, Remlingen und Klein Biewende erhoben werden.

Verträge notwendig

Um die Daten erheben zu können, muss die Messfirma die Grundstücke in dem Untersuchungsgebiet betreten, erklärte Laske. Die Fachleute müssen Messkabel verlegen, Geophone installieren und Sendepunkte einrichten. Dazu werden im Vorfeld Gestattungsverträge mit den Eigentümern abgeschlossen. Vor dem Betreten der Grundstücke erfolgt eine Bestandsaufnahme, nach Beendigung der Arbeiten werden eventuell entstandene Schäden protokolliert und ausgeglichen, versprach Laske.

Die Ergebnisse der Messungen, die europaweit ausgeschrieben werden müssen, sollen spätestens 2013 vorliegen. Einige Zuhörer äußerten Bedenken wegen des Zeitplanes (Messungen erst im Winter 2011/12 und nicht schon ein Jahr vorher),

Das BfS erhofft sich von diesen Messungen insbesondere auch bessere Erkenntnisse über die seit 1988 fließenden Zutrittswässer in der Asse. Der genaue Weg der Zutrittswässer ist bislang nicht bekannt. Mit dem zusätzlichen Wissen können technische Maßnahmen gegen Wassereinbrüche gegebenenfalls besser geplant werden.

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Veröffentlicht: 04.06.2010 - 22:00 Uhr
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