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Wolfenbüttel

Krankenhaus will Klinik übernehmen

Verhandlungen stehen vor dem Abschluss – Aufsichtsrat: "Versorgungssicherheit auch in Zukunft gewährleistet"

Stephan Hespos

WOLFENBÜTTEL. Das Städtische Klinikum Wolfenbüttel strebt die Übernahme der Privat-Frauenklinik Dr.Brachmann an. Nach Informationen unserer Zeitung stehen die gegenwärtig noch offenen Verhandlungen unmittelbar vor dem Abschluss. Abhängig ist das Vorhaben in jedem Fall von der Zustimmung des Landes. Hierzu sprechen die Beteiligten in Kürze in Hannover vor.

Willigt das Land ein und stimmt auch die Brachmann-Klinik zu, wird die Einrichtung mittelfristig aufgelöst und an das Krankenhaus angebunden. Wie dessen Geschäftsführer, Joachim Kröger, erklärte, sei hierfür ein Anbau im dritten Stock des Westflügels erforderlich. Dort sollen die momentan sechs Brachmann-Belegärzte weiter tätig sein. Dabei handelt es sich um niedergelassene Ärzte, die ihre Patientinnen beispielsweise zur Geburt einweisen und selbst weiter betreuen.

Problem: Fallpauschalen

Über die Hintergründe, weshalb der Inhaber der Privat-Klinik, Dr.Klaus-Dieter Brachmann, bereit ist, zu verkaufen, haben die Beteiligten Stillschweigen vereinbart. Brachmann selbst ist derzeit im Urlaub. Dem Vernehmen nach zwingt ihn erheblicher Sanierungsbedarf zu diesem Schritt.

Ein weiterer Grund, das bestätigte der ärztliche Leiter der BrachmannKlinik, Dr.John Rolschau, dürfte die Einführung des neuen Fallpauschalen-Systems zu Beginn nächsten Jahres sein. Dann werden Krankenkassen auf der Basis von Diagnosen nur noch bestimmte Pauschalen zahlen, die unabhängig davon sind, wie lange ein Patient tatsächlich im Krankenhaus verbleiben muss.

Gegenüber unserer Zeitung versicherte Dr.Rolschau die Bereitschaft der Belegärzte, künftig im Städtischen Klinikum zu arbeiten. Dies natürlich nur, wenn die Verhandlungen erfolgreich verlaufen.

Unterdessen versprach Krankenhaus-Direktor Kröger, dass alle Mitarbeiter der Brachmann-Klinik übernommen würden. "Wer nach und nach in den Ruhestand geht, wird aber nicht ersetzt", ergänzte Axel Gummert, Vorsitzender des Krankenhaus-Aufsichtsrats.

Aus eigener Kraft kann das Klinikum die Übernahme nicht stemmen – immerhin handelt es sich laut Gummert um einen "mehrfachen Millionenbetrag". Zunächst müsse das Land seine Klinik- und Sanierungspläne konkretisieren. Positive Signale haben Kröger und Gummert aus Hannover indes schon vernommen, auch wenn noch nichts offiziell ist.

Standort-Sicherung

Für das Wolfenbütteler Krankenhaus ist die Übernahme ein Baustein in Sachen Standortsicherung. Zuletzt hatte der Ärzteverband Hartmannbund die Befürchtung geäußert, 40 der 206Krankenhäuser in Niedersachsen müssten schließen. Betroffen davon sieht der Verband insbesondere kleine Einrichtungen mit weniger als 200Betten.

Zum Vergleich: Das Wolfenbütteler Klinikum verfügt über 334, die Brachmann-Klinik über 27Betten.

Gelingt das Übernahme-Vorhaben, ist sich Direktor Kröger sicher: "Es gibt auf jeder Seite nur Gewinner." Die Kapazitäten des Klinikums würden besser ausgelastet. Überdies bestünden schon seit Jahren Kooperationen mit der Privat-Klinik – etwa im Apothekenbereich.

Aufsichtsratschef Gummert sowie sein Stellvertreter, Wilfried Prisett, sehen noch einen weiteren Vorteil, wenn der Wunsch des Krankenhauses Realität wird: "Die Versorgungssicherheit der Bevölkerung ist auch in Zukunft gewährleistet."

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Veröffentlicht: 29.04.2003 - 21:16 Uhr
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