Gewerkschaftshaus beklebt
2009-04-28T22:00:00+0200Über 100 Aufkleber von Neonazi-Gruppen entdeckt – Stadt erstattet Anzeige
WOLFENBÜTTEL. Das Gewerkschaftshaus am Rosenwall ist einige Tage vor dem 1. Mai verunstaltet worden: Unbekannte haben mehr als 100 Neonazi-Aufkleber auf das Gebäude geklebt. Die Stadt als Besitzer will Anzeige erstatten.
Entdeckt wurden die Aufkleber von Vertretern der Jugend des Deutschen Gewerkschaftsbundes, die sich mit Vertretern der Wolfenbütteler Antifa-Gruppe am vergangenen Donnerstag im Gewerkschaftshaus am Rosenwall getroffen hatte, um gemeinsam darüber zu beraten, was gegen den geplanten Neonazi-Aufmarsch am 1. Mai in Hannover unternommen werden soll.
Einen Tag zuvor hatte noch der Kreisvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes im Gewerkschaftshaus getagt, um die Kundgebung am 1. Mai vorzubereiten. "Nach unserer Tagung am Mittwoch waren noch keine Aufkleber am Haus", berichtete der DGB-Kreisvorsitzende Michael Sandte, der gestern noch Aufkleber entfernte.
Über 100 kleine und etwa 15 große Aufkleber waren in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag auf das Gewerkschaftshaus geklebt worden. Dachrinnen wurden ebenso mit Zettel versehen wie die Kellertür, die Infotafel vor dem Haus, die Straßenlaternen und auch die Parkschilder der Stadtverwaltung. Sogar die Mülltonne war beklebt worden.
Sandte informierte über die "Schändung des Gewerkschaftshauses" auch den Besitzer der Immobilie, die Stadt. Erster Stadtrat Knut Foraita informierte sich vor Ort. Er war ebenso entsetzt wie die Gewerkschafter. Er kündigte an, eine Strafanzeige wegen Sachbeschädigung bei der Polizei einzureichen.
Die Polizei Wolfenbüttel war ebenfalls vor Ort, dokumentierte die Klebereien und schrieb nach Angaben von Thomas Arth, Leiter Kriminalermittlungsdienst, einen Bericht für das Staatsschutzkommissariat in Salzgitter, das inzwischen die Ermittlungen übernommen hat. "In Salzgitter erfolgt die rechtliche Würdigung und die abschließende Ermittlung", berichtetet Arth.
Michael Sandte kündigte an, dass er zu Beginn der Mai-Kundgebung in Wolfenbüttel zu den Vorgängen rund um das Gewerkschaftshaus Stellung nehmen wird.


